Die evangelische Martinskirche zu Bergheim

Wer zum erstenmal die Bergheimer Martinskirche betritt wird merken, daß er sich in einem außergewöhnlichen Gebäude mit einer wechselhaften Geschichte befindet. Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung der Bergheimer Kirche stammt aus dem Jahr 1085. Zu dieser Zeit war Bergheim Sitz eines Archipresbyteriats und Mutterkirche für weitere Kirchengründungen, es muß also bereits vor dieser Zeit eine Kirche in Bergheim gegeben haben. Von dieser älteren Kirche haben sich allerdings keine Reste erhalten. Die Kirche in ihrer heutigen Form ist ein Produkt einer wechselhaften Baugeschichte, deren einzelne Abschnitte sich nicht mehr alle rekonstruieren lassen. Von außen betrachtet handelt es sich um eine mittelalterliche Wehrkirche aus Bruchsandstein, deren östlich gelegener Chorturm von vier Wichhäusern - kleinen Ecktürmchen, die eine gute Aussicht in alle Himmelrichtungen boten - geziert wird. Nach Westen hin schließt sich das Langhaus an, das in der ungewöhnlichen Form einer zweischiffigen Halle ausgeführt ist. Dies ist es auch, was dem

(aufmerksamen) Besucher zuerst in's Auge fällt: eine einzelne mächtige Säulenreihe, die mittig auf den Triumphbogen zuläuft. Der Grund für diese ungewöhnliche Bauform dürfte darin liegen, daß die Kirche 1331 zu großen Teilen zerstört war, und der Turm erst danach in seiner heutigen Form erbaut wurde. Im westlichen Giebel findet sich ein eigenartiger erkerartiger Vorbau - im Volksmund Bonifatiuskanzel genannt - dessen Funktion nicht gänzlich geklärt ist; möglicherweise hängt er aber mit der Nutzung des Kirchendachbodens als Getreide- und Vorratslager zusammen. Die Fenster auf der Nord- und Südseite sind Ergänzungen aus dem Barock, es finden sich aber noch Reste von  Spitzbögen, die auf ältere Fenster hinweisen. 

Das Portal auf der Westseite trägt die Jahreszahl 1745, wiederum gibt es auf der Südseite eine zugemauerte ältere Tür. Der Innenraum der Kirche überrascht durch seine reichhaltige Wandmalerei. Der Chorraum enthält Malereien aus der Zeit um 1460, die während Restaurierungsarbeiten im Jahr 1932 freigelegt wurden. Die Nordwand zeigt eine Darstellung des Jüngsten Gerichts: Christus trohnt als Weltenrichter, aus seinem Mund ragen Schwert und Lilie als Symbol von Gnade und Gericht. Neben ihm die Jungfrau Maria und Johannes der Täufer sowie Posaune blasende Engel. Darunter die aus ihren Gräbern steigenden Verstorbenen: eine Gruppe links, die Seligen, wird durch die Kirche zum ewigen Leben geführt, eine zweite Gruppe rechts, die Verdammten, werden von Teufeln in den Höllenschlund gezogen. Unter dieser Darstellung zieht sich ein Fries mit den zwölf Aposteln, dargestellt mit ihren jeweiligen Insignien. Auf der Nordseite (jeweils von links nach rechts): Petrus mit Schlüssel, Paulus mit Schwert, Jakobus d.Ä. mit Wanderstab, Andreas mit Marterkreuz. Auf der Ostseite: Johannes mit Kelch, Simon mit der Säge, Jakobus d.J. mit dem Walkerbaum, Philippus mit Kreuz. Auf der Südseite: Bartholomäus mit dem Messer, zwei durch das barocke Fenster zerstörte Apostel (verm. Matthäus und Thaddäus) sowie Thomas mit dem Winkelmaß. Die Malerei im Schiff wurde 1573 von B. Seltzer ausgeführt. Sie zeigt in den Gewölbefeldern neben verschiedenen Engeln allegorische Dartellungen der menschlichen Tugenden: "Spes" (Hoffnung) , "Fides" (Treue), "Charitas"

(Nächstenliebe), "Paciencia" (Geduld), "Fortitudo" (Tapferkeit), "Justicia" (Gerechtigkeit) und "Veritas" (Wahrheit). Dargestellt sind auch die kluge und die törichte Jungfrau (mit Öllampen) sowie drei Evangelistensymbole (geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler). Die Würfelkapitelle der Säulen sowie Schlusssteine, Rippen und Wandpilaster werden durch Malerei vorgetäuscht. Der Taufstein stammt von 1731, die Kanzel wurde 1687 erbaut. Außen an der Südseite findet sich ein Epitaph für den Grafen Ernst Heinrich Georg von Waldeck (gest. 1736).

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