Das Krankenhaus zwischen Patientenwohl und ökonomischer Herausforderung

Bischof Dr. Martin Hein besucht die Asklepios-Kliniken in Bad Wildungen und diskutiert mit Ärzten und Pflegenden

Dr. Christian Höftberger und Prof. Dr. Martin Hein im Andachtsraum der Asklepios-Klinik Bad Wildungen
Dr. Christian Höftberger und Prof. Dr. Martin Hein im Andachtsraum der Asklepios-Klinik Bad Wildungen

 

Bad Wildungen. Einmal im Jahr besucht der Bischof der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, mit einer Delegation ausgewählte Kirchenkreise seiner Landeskirche. Vor Ort informiert er sich über die Gemeindearbeit, hat aber auch ein offenes Ohr für die Hoffnungen und Sorgen der Menschen. Mit ihnen kommt er ins Gespräch und lässt sich aus ihrem Alltag berichten. In diesem Jahr legt der Bischof den Schwerpunkt seiner "Visitation" auf die Aufgaben der Klinikseelsorge. Eine Station seiner Reise führt ihn nach Bad Wildungen in das Stadtkrankenhaus, welches zum Asklepios-Konzern gehört. Hier tauscht er sich mit Ärzten, Pflegekräften und der Geschäftsführung über die Herausforderungen des Gesundheitswesens aus. Dr. Matthias auf dem Brinke, ärztlicher Direktor des Krankenhauses, bringt die täglichen Belastungen auf den Punkt: „Wir treffen jeden Tag Entscheidungen zum Patientenwohl, müssen uns aber auch an ökonomischen Rahmenbedingungen orientieren“, sagt der Neurologe. Das sei nicht immer leicht. Dem stimmt auch Dr. Christian Höftberger, Regionalgeschäftsführer für Hessen, zu. Er betont aber, dass sich Patientenwohl und Ökonomie nicht ausschließen, sondern im besten Fall ergänzen. „Ökonomisches Handeln bringt Struktur. Struktur bringt Zuwendung“, so der Regionalleiter. Diesen Zusammenhang machte er anhand eines Beispiels deutlich: Nur wenn man eine gewisse Anzahl von Operationen an einem Standort durchführe und jeder Arzt wisse, was er zu tun hat, könne man auch eine durchgehend hohe Qualität gewährleisten. Das sei auch ökonomisch sinnvoll, da Ressourcen gebündelt werden. Zudem sei das Überleben eines Krankenhauses und damit die Versorgung vor Ort auch an ein wirtschaftliches Handeln gebunden, das trotzdem immer den Patienten im Blick habe.

 

„Mensch muss im Mittelpunkt stehen“

 

Dass bei allen ökonomischen Überlegungen immer der Mensch im Mittelpunkt stehen muss, betont Bischof Martin Hein. Er ist Mitglied im Ethikrat, der die Bundesregierung bei kritischen Entscheidungen unterstützt und sich regelmäßig zu ethischen Fragen äußert. Für ihn ist es  wichtig, den Patienten in alle Entscheidungen mit einzubeziehen und sich im Vorfeld Gedanken zu machen, wie in einem Fall ethisch zu entscheiden ist. Das gebe allen Beteiligten Sicherheit. Dabei könne eine sachgerechte Behandlung verlangt werden, nicht jedoch Gesundheit. „Vom christlichen Weltbild her gesehen ist Gesundheit nicht verfügbar, sondern ein Geschenk“, sagt der Bischof. Um den Menschen mit seiner eigenen Geschichte und seinen sozialen Bezügen ernst zu nehmen, sei es wichtig, das er selbst in Behandlungsgeschehen einstimme, er eine gute Behandlungsqualität bekomme und er damit rechnen könne, das die notwendigen Ressourcen gerecht verteilt seien. „Eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patienten ist sehr wichtig. Trotzdem ist und bleibt jede Heilung ein Wunder.“

 

Eine gute Pflege bestimmt mit den Handlungserfolg

 

Den Zusammenhang zwischen einer guten Pflege und den Behandlungserfolg hebt Mizrab Akgöz, Leiter des Asklepios Bildungszentrums, hervor. Menschliche Zuwendung könne dabei nur schwer durch Technik ersetzt werden. „Pflege ist hochprofessionell und braucht Profis“, sagt Akgöz. Deshalb sei man immer um neue Mitarbeitende bemüht, die diesen Beruf mit ganzem Herzen ausüben wollen. Der Beruf sei dabei spannend und abwechslungsreich. Das sagt auch Anne-Kathrin Tripp, stellvertretende Pflegedienstleitung bei Asklepios. „Die Schüler bekommen früh Verantwortung und können im Team mit anderen jungen Mitarbeitenden zusammen arbeiten“ erzählt die Krankenschwester. Besonders die Anerkennung sei eine große Motivation, trotz enger Dienstpläne und einer hohen Arbeitsbelastung „Die Arbeit macht mich stolz. Gerade die Gespräche mit den Patienten bringen mir viel“, so Tripp. Dieser Einsatz beeindruckt auch den Bischof. Er fordert einen Paradigmenwechsel. Nicht der Mangel müsse betont werden, sondern die Chancen. Hein: „Pflege kann begeistern. Pflege tut gut. Wir müssen so von Pflege reden, dass wir andere Menschen begeistern.“

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