500 Jahre Reformation

Dekanin Petra Hegmann stellt sich den Fragen der HNA

Können Sie sich nach einem Jahr mit so viel Luther überhaupt noch auf den Reformationstag freuen? Das Jubiläumsjahr hat Ihnen als Dekanin ja sicher auch viel Arbeit gemacht.

 

Hat es, aber die Arbeit lohnt sich: Es ist spannend, sich neu mit der Reformation und den Folgen auseinanderzusetzen. Neugierig bin ich auf den Frauengottesdienst auf.Recht

abends in der Liebfrauenkirche Frankenberg.

 

Was waren für Sie die gelungensten Veranstaltungen imLuther-Jahr in Ihrem Kirchenkreis?

 

Ich war beeindruckt, dass Kirchengemeinden ganze Festwochen oder Veranstaltungsreihen auf die Beine gestellt haben. Der Kirchenkreistag mit dem musikalischen Festgottesdienst in

der Klosterkirche Haina ist mir in Erinnerung geblieben. Und das Musical der strong-together kids, ebenso das Theaterstück „Vergebung gratis?“ der Theatergruppe Böhne. Da wurden Glaubensinhalte kreativ und für die heutige Zeit ansprechend weitergegeben! Außerdem habe ich in der Kirchengemeinde Bad Wildungen-Mandern zum ersten Mal bei

einem Speed-Dating zu Bibelworten mitgemacht.

 

Hat das Reformationsjubiläum wieder mehr Interesse an der Kirche geweckt und mehr Menschen in die Gottesdienste gelockt?

 

Zumindest hat es die Anliegen der Reformation und die Inhalte des evangelischen Glaubens deutlich gemacht, und das einer breiteren Öffentlichkeit. Insofern war das Reformationsjahr Vergewisserung nach innen und Werbung nach außen.

 

Wurden auch thematisch und inhaltlich neue Schwerpunkte in den Gottesdiensten gesetzt?

 

Wir haben ein Beiheft zum Evangelischen Gesangbuch mit modernen Liedern

eingeführt, das EGplus. Neue Gottesdienstformen wie der „you go“, ein Jugendgottesdienst, werden ohnehin erprobt. Das Reformationsjubiläum war aber auch ein Anstoß für die Frage, was „evangelisch sein“ heute bedeutet und wie Menschen das überzeugend leben.

 

Das Luther-Jahr hat die Person Martin Luther sehr positiv in den Mittelpunkt gerückt. Hat sich die Kirche zu wenig kritisch mit ihm auseinandergesetzt?

 

Das habe ich anders erlebt. Gerade bei diesem Jubiläum wurden auch die kritischen Seiten Martin Luthers deutlich benannt, z.B. seine Haltung zu den Juden oder seine Position den aufständischen Bauern gegenüber.

 

Im April haben Sie in der HNA gesagt, dass das Reformationsjubiläum auch einen ökumenischen Ansatz habe. Ist der gelungen?

 

Die christlichen Kirchen gehen auf unterschiedlichen Ebenen aufeinander zu. Das ist auf jeden Fall eine gute Entwicklung. Sie muss aber noch weiter gehen.

 

Welche Rolle spielt die Kirchenspaltung für die Menschen heutzutage überhaupt noch?

 

Auf’s Ganze gesehen spielt sie wahrscheinlich eine eher untergeordnete Rolle, weil sie nur die stärker kirchlich gebundenen Menschen betrifft. Umso wichtiger ist es, die Ökumene zu

pflegen. Christen müssen stärker mit einer Stimme sprechen, um sich Gehör zu verschaffen.

 

Der Reformationstag ist in Hessen in diesem Jahr einmalig ein gesetzlicher Feiertag. Hätte er das jedes Jahr verdient?

 

Wir brauchen Tage, an denen wir uns auf unsere Wurzeln besinnen, gerade in einer Zeit, in der Werte auf dem Prüfstand stehen. Insofern sage ich ja, auch wenn ich weiß, dass mancher aus der Wirtschaft bei dem Gedanken an weitere Feiertage nicht begeistert ist.

 

Innenminister de Maizière hat kürzlich öffentlich über muslimische Feiertage in Deutschland nachgedacht. Wie stehen Sie dazu?

 

Es ist ja noch gar nicht so lange her – 1995 –, da wurde der Buß- und Bettag der evangelischen Kirche als gesetzlicher Feiertag abgeschafft. Was ich bis heute bedaure! Der

Umgang mit Schuld und Versagen, aber auch Themen wie Vergebung und Neuanfang

sind einen Feiertag wert. Wie ernst wir diese Thematik nehmen, prägt auch das Zusammenleben. Aber Sie haben nach muslimischen Feiertagen gefragt: Bevor wir darüber nachdenken, sollten wir erst einmal den engeren Dialog mit Muslimen suchen, uns gegenseitig besser verstehen und die Werte unserer Gesellschaft vermitteln. Da ist noch viel zu tun.

 

Und wie geht es jetzt mit Luther weiter? Verschwindet er in der Schublade – so wie der Playmobil-Luther, mit dem wir in unserer Berichterstattung zum

Reformationsjubiläum die Pfarrer fotografiert haben?

 

Der Playmobil-Luther mag ausgedient haben, das Erbe Luthers für die Zukunft bleibt: Aus Gottes Gnade leben, ein fröhlicher und selbstbewusster Christenmensch sein, Verantwortung für andere übernehmen. Die größte Herausforderung für uns heute ist etwas, an das Luther wohl nicht einmal im Traum dachte: Das friedliche Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und mit unterschiedlichen Religionen.

 

Losungen

Herrnhuter Losung
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. (Jesaja 9,1) Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken. (Titus 2,14) © ebu.de - Info: losungen.de - RSS: hradetzkys.de
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