,,Von drauß vom Walde komm ich her.
Ich muss euch sagen es weihnachtet sehr !"
Dieses Gedicht von Theodor Storm hat mich als Kind viele Jahre durch die Nikolaustage begleitet. Wenn ich es heute höre oder lese, erinnere ich mich wieder daran:
Voller Vorfreude, aber auch ein bisschen ängstlich saß ich am 6. Dezember eines jeden Jahres mit den anderen Turnkindern in unserem alten Gemeindesaal und wartete auf den Nikolaus. Laut klopfte er an die Türe, er trat ein und sagte eben dieses Gedicht mit donnernder Stimme auf. Da waren wir alle mucksmäuschenstill, kein Kind hätte es gewagt zu stören. Der Nikolaus hatte eine Rute dabei, vor der hatten besonders die Jungen ziemlichen Respekt. Alle waren gespannt was er diesmal in seinem grossen Sack für uns mitgebracht hatte.
Seine Frage am Ende des Gedichtes: ,,Nun sprecht, wie ich's herinnen find! Sind's gute Kind, sind's böse Kind ?'' - die beantworteten wir dann aber lautstark mit: "Gute Kind!''
Dann setzte er sich auf einen Stuhl mitten im Saal und schlug ein goldenes Buch auf, das er auch mitgebracht hatte. Da las er dann die Namen der Kinder vor, die immer gut beim Turnen mitgemacht hatten. Ein paar Kinder wurden auch ermahnt, besser zu hören und nicht immer Unfug zu machen. Dann durften wir nacheinander zu ihm gehen und uns unser Geschenk abholen. Es gab für jedes Kind dasselbe: eine Tüte, die die Übungsleiter mit Süßigkeiten gefüllt hatten. Am Ende der Feier sangen wir alle noch das Nikolauslied, dann verabschiedete sich der Nikolaus bis zum nächsten Jahr und ging wieder zur Türe hinaus.
Diese Nikolausfeier gibt es heute noch, aber der Nikolaus von damals ist inzwischen in Rente.
Beate Kindel, Vöhl
Nikolaus-Mandala, ausgemalt von Paul-Jonathan Eisenberg