Andacht zum 6. Sonntag nach Ostern (Exaudi)

von Pfrin. Katharina Wagner, Ellershausen

Jeremia 31,31-34 – Der neue Bund

 

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken

 

Liebe Gemeinde!

Es wird auch wieder eine andere Zeit kommen als die, in der wir gerade leben. Das ist sicher. Wie diese andere Zeit, die Zeit nach Corona, allerdings aussehen wird, ist unsicher. Wann das Virus besiegt sein wird, ist genauso unsicher. Es kann Jahre dauern, so hören wir. Die düsterste Vorhersage ist sogar, dass wir es gar nicht schaffen werden, es zu besiegen. Zu dieser düsteren Vorstellung gesellen sich noch die anderen Sorgen wegen der Entwicklungen, die sich jetzt schon abzeichnen. Arbeitsplätze stehen auf der Kippe, Lebensmittel und andere Artikel werden teurer, wir werden wohl nicht mehr genau das Leben wieder aufnehmen können, das wir gewohnt waren.

 

Und dennoch wird eine andere, eine neue Zeit kommen, das ist sicher. Denn nicht nur die Ausbreitung von Corona entwickelt sich weiter, nicht nur die Entwicklung des Impfstoffs und die Zahl der Genesenen in der Weltbevölkerung, sondern auch wir tun es. Die Gesellschaft verändert sich, auch wenn wir das noch nicht so richtig wahrnehmen und vielleicht auch nicht einordnen können. Aber die Gedanken sind andere geworden als vor der Krise. Sie richten sich jetzt nicht mehr auf die Pläne, die wir einmal hatten, und die nun im Prinzip so gut wie alle über den Haufen geworfen werden mussten und müssen. Sondern sie richten sich auf einen Neubeginn mit anderen Vorzeichen, auf das Leben, das Corona verändert hat. Sichtbar wird das durch unverzichtbare Accessoires wie den Mundschutz und das Desinfektionsgel, unsichtbar vollzieht es sich gerade in neuen Plänen.

 

Allen diesen Plänen ist gemeinsam, dass sie unter einem Vorbehalt stehen, dem Vorbehalt, dass sie jederzeit wieder über den Haufen geworfen werden können, bzw. müssen, wenn sich die Lage wieder verschlechtert. Aber muss das heißen, keine Pläne machen zu dürfen? Nein. Der Sommer kommt unaufhaltsam, und so stellt sich die Frage, was vielleicht doch möglich ist. Ein kleiner Urlaub in Deutschland oder vielleicht einfach ein Tag am Edersee. Keine großen Sprünge, aber nach vielen Wochen vielleicht zumindest ein Wiedersehen mit weiter entfernt wohnenden Lieben, unter Wahrung der Corona-Regeln. Wir sollten auf jeden Fall versuchen, unser Leben zu gestalten, so, wie es jetzt gestaltet werden kann, denn Corona wird uns ja noch eine Zeit begleiten.

 

Und danach kommt vielleicht etwas ganz anderes, als wir erwarten. Vielleicht ist das, was dann kommt, so bewegend, dass es uns den Atem nehmen wird. Ein richtig pfingstliches Beben. Auch Pfingsten ist ja dieses Jahr nicht das, was wir damit in erster Linie verbunden haben. Es ist diesmal kein Fest mit viel Rummel und Menschenansammlungen, es gibt keinen Jahrmarkt mit Tierschau und interessanten Buden. Aber das eigentliche Pfingstfest findet statt, und es erinnert daran, dass damals auch eine andere Zeit angebrochen ist, dass Gott einen neuen Bund mit den Menschen geschlossen hat. Der Heilige Geist, den Gott den Menschen ins Herz gegeben hat, hat sie verändert, er hat sie verbunden zur weltweiten Kirche Jesu Christi. Und diese Verbindung besteht, sie besteht weiter, auch wenn ein Virus alles Mögliche auf der Welt erfolgreich zerstört.

 

Eine Woche vor Pfingsten stehen wir im Kirchenjahr in der Erwartung des Pfingstfestes, in der Erwartung des Heiligen Geistes, der kommt. Es ist so ein bisschen wie die Erwartung, was denn nun nach Corona kommt, oder auch, was nach der schrittweisen Öffnung der Geschäfte, der Gesellschaft nun passieren wird, die berüchtigten zwei Wochen später. Aber es ist auch ganz anders, denn was Pfingsten betrifft, wissen wir ja, wie es ausgegangen ist, beziehungsweise können es in der Bibel nachlesen. Der Heilige Geist ist gekommen, der neue Bund wurde uns von Gott ins Herz gegeben, und herausgekommen ist dabei die Kirche. Wohingegen wir ja nicht wissen, was bei Corona herauskommen und sich noch entwickeln wird.

 

Aber was schon ähnlich ist, das ist die Erwartung, dass doch etwas passieren muss, jetzt, nach dieser so langen Zeit der Einschränkungen. An Ostern war es doch schon so in diesem Jahr, dass wir uns eine Art Auferstehung für uns selbst gewünscht haben, in dem Sinne, dass wir gerne aufstehen wollten aus dieser Zeit des kompletten Stillstands, der so wirkte wie ein Dornröschenschlaf. Und nun, sechs Wochen später, wünschen wir uns eine Richtung, in die es gehen kann. Wir haben uns, so gut es geht, schon eingefunden in diesem neuen, veränderten Alltag. Aber wir brauchen jetzt eine Orientierung, wie es weitergehen kann mit dem Begonnenen, ja, mit unserem ganzen Leben.

 

Neue Gesetze gibt es in diesen Zeiten viele, immer wieder kommen neue dazu, so dass ich in meinem Büro schon einen neuen Aktenordner für die Schriftstücke beginnen muss, weil der erste voll ist, nach nur zehn Wochen. Aber neben den ganzen Gesetzen und Regeln, die so wichtig für unser Zusammenleben sind wie nie zuvor, weil sie uns in ganz anderer Weise als alles vorher in unserer Existenz direkt betreffen; neben diesen Corona-Vorschriften also brauchen wir noch etwas anderes, damit unser Leben gelingt. Ein anderes Gesetz, das Gesetz der glühenden Liebe zu Gott, dem Backofen voller Liebe zu uns, und des liebevollen, rücksichtvollen Umgangs miteinander.

 

An Pfingsten, so heißt es in der Bibel, kam der Heilige Geist wie Zungen von Feuer auf die Jünger herab. Und sie wurden davon erfüllt. Da war es keine Frage mehr, selbst zu entflammen in der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen, denen sie das Evangelium in tausenden Sprachen predigten und die sie massenweise tauften. Wir sind da leider eingeschränkt, vielleicht nicht mal erst seit Corona. Die Begeisterung, die Menschen in die Kirche gebracht hätte, hat oftmals schon vorher gefehlt. Aber jetzt können wir in der Kirche nicht mal Massen zusammenbringen, selbst wenn wir es wollten. Aber was wir können, ist Menschen auch auf andere Weise erreichen. Und es damit Pfingsten werden lassen. Durch kreative Ideen und Aktionen, durch Begeisterung für die Sache.

 

Die Woche vor Pfingsten dient der Vorbereitung auf das Fest. Ganz praktisch mit der Frage, was zu besorgen und woran zu denken ist – auch in Hinblick auf die Wiederaufnahme von Gottesdiensten. Aber vor allem ist es die geistliche Vorbereitung, das Gebet um den Heiligen Geist. Darum bitten wir, dass der Geist uns verändert, dass er uns beflügelt und neue Wege zeigt, mit der immer noch bestehenden, vielleicht sich irgendwann auch wieder verschärfenden Krisensituation umzugehen. Wir wissen nicht, was da auf uns zukommt. Aber wir wissen, was uns an Pfingsten neu zugesagt wird. Ob in der Kirche, oder durch das Lesen der Pfingstpredigt, oder im Fernsehgottesdienst. Gott ist bei uns und bei seiner Kirche. Er hat uns nicht verlassen, auch wenn es Zeiten gibt, in denen wir uns fühlen, als würden wir in der Luft hängen. So ging es ja auch Jesu Jüngern zwischen Himmel- fahrt und Pfingsten. Aber auch dieser Zustand dauerte bekanntlich nicht ewig, sondern damals zehn Tage. Heute sind es schon zehn Wochen, die wir im Corona-Modus leben, aber es geht weiter, ganz gewiss. Auch für uns. Corona wird nicht das Schlusswort über unsere Erde sein, nicht für die Lebenden und nicht für die Toten. Denn Jesus Christus wird wiederkommen. Amen!

 

Gebet

 

Gott, wir bitten dich um den Heiligen Geist, dass er uns tröstet in unserer Not.

Wir bitten dich, dass wir stark werden, allem zu begegnen, was uns Kummer und Sorge macht. Hilf uns, Lösungen für die Probleme zu finden, die uns umtreiben.

Behüte du alle, die uns nahe stehen; alle, die in unserer Nähe leben und die, die in der Ferne sind. Gib uns Hoffnung für die vor uns liegende Zeit,

höre unser Gebet um Heilung der Kranken,

um Kraft für die, die sich für die Schwächsten aufopfern,

um Gesundheit für uns und alle Menschen in unserer Umgebung.

Wir bitten dich, lass es Pfingsten werden, schenke uns ein gereinigtes Herz,

dass wir die Menschen um uns herum nicht betrüben,

sondern ihnen zum Segen werden, jeder von uns für jeden anderen,

dass wir auch und gerade in der Krise zu einem echten Miteinander finden,

zwischen den Generationen und zwischen den noch Unversöhnten,

zwischen den Paaren und den Familien. Bringe zusammen, was zusammen gehört.

Amen.

 

Lieder

 

O komm, du Geist der Wahrheit, Evangelisches Gesangbuch Nr. 136 O Heilger Geist, kehr bei uns ein, Evangelisches Gesangbuch Nr. 130 Ich bin getauft auf deinen Namen, Evangelisches Gesangbuch Nr. 200

 

Wochenspruch

 

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Joh. 12,32)

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