3. Sonntag nach Ostern, Jubilate (3.05.2020)

von Pfrin. Katharina Wagner, Ellershausen

 

Johannes 15,1-8

 

Jesus Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

 

Predigt

 

Liebe Gemeinde!

Wenn ich die Augen schließe, sehe ich sie wieder vor meinem inneren Auge: Endlose Weinberge, die sich über Kilometer hinweg ziehen. Wie gerne wäre ich jetzt dort, wo ich immer so gerne ge- wesen bin, würde meine Augen schweifen lassen über diese wunderbare Landschaft, über die Weinstöcke, über das weite Frankenland bis hin nach Würzburg und Richtung Spessart.

Es ist ein Sehnsuchtsort von mir, der Schwanberg, auf dem sich ein Schloss und ein evangelisches Kloster befinden, und ich kann jetzt nicht hin. Jetzt, in diesen Tagen, aber wahrscheinlich noch lange Zeit sind Reisen nicht oder nur eingeschränkt möglich. Es ist zwar nicht verboten, sich ins Auto zu setzen und dorthin zu fahren, aber es wäre auch nur die halbe Freude. Denn dort ist ja auch alles geschlossen. Das Café und der kleine Laden sind zu, die Kirche ist zwar offen, aber der

Zugang nur eingeschränkt möglich. Und natürlich kann man auch nicht im Gästehaus übernachten.

Und so heißt es: abwarten. Warten, bis sich etwas an der Situation ändert. Dass sich vielleicht in den nächsten Wochen Lockerungen ergeben und manche Reisen wieder möglich sind. Aber es ist ungewiss, ob es so kommen wird. Es sieht so aus, als ob es doch wieder Rückschläge bei den Infek- tionszahlen geben könnte, und alle schönen Pläne würden mit einem Mal zunichte gemacht.

Und dann denke ich wieder, dass viele Menschen ganz andere Sorgen und Probleme haben als nur den Urlaub, der möglicherweise endgültig ins Wasser fällt. Viele Familien warten darauf, dass ihre Kinder endlich wieder in die Kita und in die Schule gehen können. Viele Angehörige von Senioren wünschen sich, ihre Eltern und Großeltern endlich wieder ohne Einschränkungen besuchen zu können. Und manche Menschen wünschen sich einfach nur, dass sie sich keine Gedanken darüber machen müssen, wie es finanziell weitergehen soll, wenn ihre Arbeitsstelle gestrichen wird.

Es wird, wenn es eines Tages soweit ist, dass wir Corona wirklich hinter uns gelassen haben, eine große Kraftanstrengung nötig sein, um unser Gemeinwesen wieder zum Laufen zu bringen. Und da werden wahrscheinlich ganz andere Dinge als der nächste Urlaub im Vordergrund stehen, wenn es nämlich um die bloße eigene Existenz geht. Wir alle werden Kraft brauchen für das, was da auf uns zukommt. Und es ist sicher nicht falsch, diese Kraft jetzt schon zu tanken, in dieser Zeit, wo noch vieles stillsteht und anderes nur langsam wieder zum Laufen kommt.

Neue Kraft zu tanken ist aber manchmal leichter gesagt als getan. Denn es kostet ja schon Über- windung, tatsächlich jeden Tag rauszugehen und frische Luft zu schnappen, wenn es sonst keine Möglichkeit gibt, irgendwo hin zu gehen oder zu fahren. Es ist auch nicht ganz einfach, sich daheim nicht hängen zu lassen. Irgendwann ist dort ja auch alle Hausarbeit erledigt, sind alle Reparaturen gemacht. Gut, wenn sich dann irgendwo noch etwas Erbauliches findet.

Erbaulich ist dieser Text aus der Bibel auf jeden Fall: Jesus vergleicht sich mit einem Weinstock und uns mit den Weinreben. Jesus verspricht uns, eine immerwährende Kraftquelle zu sein, gerade in solchen Zeiten wie diesen, wo uns die Kraft auszugehen droht. Denn so langsam können wir ja alle nicht mehr und wollen es vielleicht auch nicht: diese ständigen Einschränkungen, dieses Leben mit angezogener Handbremse, das dauernde Verzichten auf so vieles, was das Leben schön macht. Wir wollen hinaus aus der Wohnung, Ausflüge machen, schön essen und trinken und vor allem andere Menschen treffen und mit ihnen zusammen sein. Und die Aussicht, dass das möglicher- weise noch wochenlang nicht geht, ist unendlich deprimierend.

Aber wir stehen nicht alleine da, sagt Jesus. Wir können uns immer wieder Kraft bei ihm holen, wenn wir uns kraftlos und mutlos fühlen. Wir wissen selbst nicht immer einen Ausweg aus der

Krise. Aus der eigentlichen Coronakrise ohnehin nicht, das wissen ja nicht mal die Experten mit 100%iger Sicherheit. Aber ein Ausweg aus der Krise, die uns persönlich betrifft, ist auch nicht so einfach zu finden. Wir können uns selbst nicht immer aus dem Loch herausholen, in das wir gefal- len sind. Glücklicherweise sind wir mit Jesus verbunden, und er kann uns dort herausholen. Er sagt, dass er unsere Bitten erfüllen wird, um was auch immer es sich dreht. Die einzige Bedingung ist, ihm vorbehaltlos und unbedingt zu vertrauen.

Seine Aufforderung lautet: In ihm zu bleiben, an ihm zu bleiben wie die Reben am Weinstock. Nur so können wir an dieser Kraft teilhaben, die uns leben, ja, neu aufleben lässt. Ansonsten werden wir innerlich verkümmern und vertrocknen wie Holz, das dann als Totholz beseitigt wird. Keine schöne Vorstellung, und es ist schon gar nicht eine schöne Vorstellung, dass Gott so kompromiss- los vorgeht. Er verlangt ja gar nicht viel von uns, nur an ihm zu bleiben und geduldig auszuharren.

Bis zur Weinlese. Das dauert natürlich ein wenig. Einen ganzen Sommer lang. Dieser Sommer kann wieder ein sehr trockener werden, er kann heiß sein, er kann gefühlt endlos dauern. So wie die Corona-Pandemie. Immer wieder brauchen wir da Wasser und Nährstoffe, um neue Kraft zu be- kommen und eine gute Frucht am Weinstock zu sein. In der Corona-Pandemie brauchen wir im- mer wieder gute Worte, die uns Kraft geben. Worte, die geschrieben wurden oder uns von ande- ren Menschen zugesagt werden. Wie das Jesuswort: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.

Ich erinnere mich an manche Gottesdienste, wo mir genau dieses Wort zugesagt worden ist und neue Kraft gegeben hat. Das war auch an Orten, an die ich jetzt gerne noch einmal fahren würde. Zum Beispiel zur Mohnblüte in Germerode, die wohl dieses Jahr auch keine Touristen sehen wird. Aber wenn ich die Augen schließe, sehe ich die Mohnfelder vor mir, und ich bin wieder dort, in der Klosterkirche, an deren Mauern draußen der Weinstock wächst und wir drinnen Andacht feiern.

Diese Vorstellung alleine hilft sicher nicht immer über alles hinweg, aber Erinnerungen an schöne Tage und Erlebnisse tragen durch diese Coronazeiten, das stelle ich immer wieder fest. Und mit den Erinnerungen verbunden sind bei mir auch immer wieder Worte aus der Bibel, wie das vom Weinstock. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Wie wenig wir tun und wie wenig wir an manchen Dingen ändern können, das merken wir jetzt. Aber Gott kann uns helfen, das zu sehen, was wir ändern können. Mit ihm finden wir vielleicht sogar den Mut, Dinge zu ändern, für die wir vorher nicht Kraft und Zeit hatten, sie anzugehen. Und die Gelassenheit, Dinge auch sein zu lassen, die es nicht wert sind. Amen.

 

Gebet

 

Jesus Christus, du hast gesagt: Ich bin das Brot des Lebens.
Gib uns seelische Nahrung in dieser Krise, die uns unsere Kräfte raubt.

Jesus Christus, du hast gesagt: Ich bin das Licht der Welt.
Sei unseres Fußes Leuchte auf unseren Weg in dieser schwierigen Zeit.

Jesus Christus, du hast gesagt: Ich bin die Tür.
Zeige uns, wie wir herauskommen aus dem Gefängnis unserer Sorgen und Gedanken.

Jesus Christus, du hast gesagt: Ich bin der gute Hirte. Führe uns auf rechter Straße um deines Namens willen.

Jesus Christus, du hast gesagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Lass uns auferstehen aus der Ohnmacht, in die wir hineingeraten sind.

Jesus Christus, du hast gesagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Hilf uns, dir und deinen Worten zu vertrauen, dass du uns nicht verlassen wirst.

Jesus Christus, du hast gesagt: Ich bin der wahre Weinstock.
Gib uns neue Kraft aus deinem Wort und aus dem Glauben an deine Verheißung. Amen.

 

Wochenspruch

 

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist gewor- den. (2. Korinther 5,17)

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