Andacht zum Sonntag Kantate

Pfr. Jörn Rimbach, Kurseelsorge Reinhardshausen

Den Sonntag Kantate (singt!) zu feiern, ohne einen gemeinsamen Gesang anzustimmen – das ist wirklich eine Herausforderung. Denn gerade dieser Sonntag lebt von der Musik. Die Website „Kirchenjahr evangelisch“ beschreibt es so: „Evangelische Frömmigkeit wäre nicht denkbar ohne sie. (...) Dort, wo sein Name so besungen wird, dort ist Gott ganz nah. Kein Bereich des Lebens soll von diesem Lob ausgeschlossen sein, keiner ist zu gering für diese Musik. Je mehr unser Leben zum Gesang wird, desto stärker wird uns dieses Lied verändern zu liebevolleren und dankbaren Menschen.“

In Zeiten von Corona dürfen wir im Gottesdienst nicht gemeinsam an einem Ort singen – das Singen zu Hause ist aber nicht untersagt. Und so ist auch diese Andacht zusammen mit dem Liedermacher Jörn Schimmelmann als Mitsing-Andacht konzipiert. Jeder und Jede für sich, aber alle gemeinsam. Zum Lob Gottes. Den Liedzettel finden Sie als download am Ende der Andacht.

Psalm 98

 

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten

und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr lässt sein Heil kund werden;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. Jauchzet dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet!

 

Lobet den Herrn mit Harfen,

mit Harfen und mit Saitenspiel! Mit Trompeten und Posaunen

jauchzet vor dem Herrn, dem König! Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Die Ströme sollen frohlocken,

und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn; denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

und die Völker, wie es recht ist.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

 

 

Bitten und Loben:

 

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

Wenn es mir schlecht geht, hadere ich mit Gott. Manchmal empfinde ich Gott zornig und fremd, schweigend und dunkel, und ein anderes Mal höre ich die Engel singen und fühle ihn mir zugetan. Ich möchte mich immer an Gott wenden können. 

 

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

Er hat Christus vom Tod zum Leben errettet, er hat es Ostern werden lassen. Sein Lied trage ich auf den Lippen, wenn ich ihn bekenne.

 

Eingangsgebet:

 

Gott, du bist der Schöpfer des Himmels und der Erde, alles, was du geschaffen hast, macht sichtbar, wie wunderbar du bist. Das erfahren wir auch in Mitten der Corona-Krise. Wir bitten dich, lass uns nicht stumm bleiben, sondern einstimmen in die Freude deiner Geschöpfe. Lass unser Leben zu einem Lobgesang an dich werden und davon erzählen, dass deine Güte und Gnade der tragende Grund unseres Lebens ist durch Jesus Christus, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und wirkt in Ewigkeit.

 

Schriftlesung (Lk 19, 37-40):

 

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

 

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja

 

Predigt

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

 

Der Predigttext steht im Brief im Buch der 2. Chronik, im 5. Kapitel

 

Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.  Und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

wer singt hat keine Angst. Das ist wissenschaftlich bewiesen. Nicht nur deshalb singe ich gerne, gerade in der letzten Zeit, wo dunkle Gedanken mich öfter in ihren Beschlag nehmen. Singen macht meistens Freude. Egal wo man es tut. Allein unter der Dusche oder gemeinsam mit anderen im Chor, zu Hause oder im Fußballstadion. Oder beim offenen Singen der Kurseelsorge, das wir momentan online veranstalten. Singen macht auch Mut und gibt Kraft. Das weiß schon meine Tochter mit ihren nunmehr fast sechs Jahren. Mit einem Lied auf den Lippen sind die Gespenster im Keller nur noch halb so wild und das Monster unterm Bett wird süß und kuschelig. Singen – es hilft gegen mancherlei Schmerz im Alltag. Nicht ohne Grund sind gerade in den schwersten Zeiten die bewegensten Lieder entstanden. Diese Kraft des Liedes hat Heinrich Heine in seinem Gedicht „Heimkehr“ treffend beschreiben:

 

In mein gar zu dunkles Leben / Strahlte einst ein süßes Bild;

Nun das süße Bild erblichen, / Bin ich gänzlich nachtumhüllt.

Wenn die Kinder sind im Dunkeln / Wird beklommen ihr Gemüt,

Und um ihre Angst zu bannen, / Singen sie ein lautes Lied.

Ich, ein tolles Kind, ich singe / Jetzo in der Dunkelheit;

Klingt das Lied auch nicht ergötzlich, / Hat‘s mich doch von Angst befreit.

 

 

Am Sonntag Kantate werden wir zum Singen aufgefordert. Und das stellt uns in der aktuellen Situation vor große Herausforderungen: Wie können wir gemeinsam singen, wenn doch das gemeinsame Anstimmen von Liedern gerade nicht möglich ist? Hier sollten wir uns frei fühlen: Wir müssen auf Gesang nicht verzichten. Er ist möglich. Vor Ort. Da, wo sich jeder gerade befindet, zeitlich unabhängig. Jeder für sich kann alleine singen und sich trotzdem mit allen anderen verbunden fühlen. Denn auch Musik ist Verkündigung der frohen Botschaft, singen ist Gottesdienst. Ein Gottesdienst, der übrigens überall stattfinden kann: Zu Hause oder an dem Ort, wo man sich gerade befindet.  

 

Die Erfahrung, das Gott auch im Gesang, in der Musik ganz nahe ist, hat bereits König Salomo gemacht. Der Predigttext berichtet davon. König Salomo, die Ältesten, Priester und Leviten mit der Stiftshütte, der Bundeslade und den heiligen Geräten ziehen zum Tempel. Auf diesem Weg fühlen sie sich Gott schon ganz nah; denn die Stiftshütte mit der Bundeslade ist seit der Wüstenwanderung der Ort, wo Gottes Herrlichkeit erscheint – ein Ort der geheimnisvollen Gegenwart Gottes.

 

Dann beginnt das Konzert. Welche Musik gespielt wird, ist nicht überliefert. Aber die Anzahl der Instrumente und der Sänger zeugt von einem gewaltigen Klangerlebnis: Hundertzwanzig Trompeten und eine ähnlich große Zahl an Zimbeln, Harfen und Psaltern. Dazu singt ein Chor aus einer ähnlich großen Zahl an Sängern. Die Musizierenden erleben sich – jeder für sich – als Klangkörper für Gott. Gott bringt ihr Herz zum Schwingen und Klingen, sodass sie ihre Lebensmelodie aus sich heraus singen. Jeder und jede ist im Einklang mit sich selbst, zugleich im Einklang mit allen anderen um ihn herum und im Einklang mit Gott. 

 

Diese Erfahrung können auch wir machen. Hier und heute. Das wir getrennt gemeinsam feiern, verdanken wir seiner Zusage, bei uns zu sein. Was dadurch unter uns zum Klingen kommt, kann die Saiten im eigenen Herzen zum Mitschwingen bringen. Es tut gut, Gott so zu loben. Denn er ist die Quelle des Lebens.

Fürbittengebet

 

Gott, du Schöpfer alles Lebendigen,

du hast uns die Möglichkeit gegeben, dir unseren Lobgesang zu bringen. Wir danken dir für die Musik. In sie können wir hineinlegen, was uns bewegt: unsere Freude, unsere Traurigkeit, unsere Klage und unsere Hoffnung. In unseren Liedern wenden wir uns an dich und suchen Trost, Zuversicht und Mut. Wie gut, dass wir mit anderen zusammen singen und musizieren können, wie gut, dass wir nicht alleine sind.

 

Wir denken an die, die im Glauben stark sind und unermüdlich dein Lob singen, wir denken aber auch an jene, die in einer schwierigen Lage und bedrückt sind und keine Worte finden.

Wir bitten dich, lass uns aus dem Glauben Kraft schöpfen und unser Vertrauen allein auf dich setzen.

 

Besonders denken wir an die Kinder, die sich aus vollem Herzen freuen und unbeschwert singen können.

 

Wir denken an alle, die nicht immer den richtigen Ton treffen oder mit dem, was sie sagen, oft daneben liegen. Wir denken an die, die in einer Disharmonie mit anderen Menschen stehen, schenke ihnen Gedanken deines Friedens und zeige ihnen Wege, die sie gehen können.

 

Gott, erfülle unsere Herzen mit deiner Musik und lass uns spüren, dass deine Liebe uns trägt. Du, Gott, tu uns immer wieder Herz und Lippen auf, um dich im Glauben zu rühmen.

 

 

Vater Unser

Segen

 

Der Herr segne und behüte Dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir seien Frieden. Amen

 

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