Predigt zum Sonntag Kantate

Pfrin. Katharina Wagner, Ellershausen

 

2. Chronik 5,2-14: Die Einweihung des Tempels

 

Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sip- pen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten. Aber der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die bei ihm vor der Lade versammelt war, opferten Schafe und Rinder, so viel, dass es niemand zählen noch berechnen konnte. So brachten die Priester die Lade des Bundes des HERRN an ihre Stätte, in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim, dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Che- rubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her. Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Allerheiligsten sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag. Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen. Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum – denn alle Priester, die sich eingefunden hatten, hatten sich geheiligt, ohne dass man auf die Abteilungen geachtet hätte –, und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brü- der, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es ei- ner, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus des HERRN erfüllt mit einer Wolke, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

Liebe Gemeinde!

 

So ähnlich wie in diesem Bibeltext habe ich mir das vorgestellt, wenn wir nach diesen endlosen Wochen mit dem Coronavirus endlich wieder unsere Kirchen für Gottesdienste öffnen dürfen. Das sollte ein richtiges Fest werden, mit Trompeten und Posaunen, mit Chören und fröhlichem Halleluja-Gesang, für Gott, der uns durch diese schwere Zeit getragen hat.

Die Wirklichkeit sieht anders aus, und sie bringt mich, ehrlich gesagt, zum Gruseln. Als ich die ersten Bilder gesehen habe von Kirchen, in denen am vergangenen Sonntag schon wieder Gottesdienst gefeiert wurde, vom Kölner Dom beispielsweise, wo die Menschen auf markierten Plätzen in zwei Meter Abstand mit Mundschutz sitzen, nicht gesungen und nicht einmal gemeinsam laut gebetet werden darf, war mein erster Gedanke: Das will ich nicht! So schön es ist, sich wieder zum Gottesdienst versammeln zu dürfen: Wenn in der Luft kein Geruch von Kerzenwachs, sondern von Desinfektionsmittel liegt, wenn die Gemeinde sich nicht beteiligen darf und sogar Platzkarten ver- geben werden, tut mir das fast noch mehr weh, als überhaupt nicht Gottesdienst feiern zu dürfen. In Geschäften, Behörden und öffentlichen Verkehrsmitteln kann ich das alles akzeptieren, aber in der Kirche zerstört es für mich die ganze Atmosphäre. Aber wir haben keine andere Wahl, so wie es aussieht, es sei denn, wir verzichten noch eine Zeitlang auf das Feiern von Gottesdiensten.

Es ist schon irgendwo ein echter Zweispalt. Auf der einen Seite möchte man Lockerungen haben, auf der anderen Seite machen einem die Vorschriften fix und fertig. Denn so, wie es einmal war, wird es wohl erst in ferner Zukunft wieder werden können. Damit müssen wir uns abfinden. Also auch damit, dass wir erst einmal nicht, wie vor der Krise, mit vielen Menschen besondere Gottes- dienste feiern können, dass wir auf Chöre und sogar eigenen Gesang verzichten müssen und auch Feste wie Konfirmationen verschoben werden. „Auf dass Gottes Haus voll werde“, das ist einfach nicht mehr drin. Es ist wohl auch hier so, wie es uns Politiker und Virologen bestätigen: Es wird eine „neue Normalität“ geben, und an die sollten wir uns möglichst rasch gewöhnen.

Das heißt nun auch, dass es in unseren Kirchen eben nicht in nächster Zeit eine feierliche Wiedereröffnung mit allem Drum und Dran geben wird, wie es bei der Einweihung des Tempels im Alten Testament gewesen ist. Wahrscheinlich werden wir uns eher irgendwann in kleinem Kreis treffen, vielleicht sogar erst draußen, weil es dort weniger Ansteckungsgefahr gibt, und kleine Gottesdienste feiern. Also kleinere Schritte machen, so wie überall sonst in unserer Gesellschaft auch.

 

Und dann ist heute auch noch ausgerechnet der Sonntag „Kantate“, der sonst ganz unter dem Zei- chen der Kirchenmusik steht. Da fehlt einem nun wirklich was. Auch die Musiker und Chorleiter, die Künstler in allen Bereichen schlagen mittlerweile Alarm. Videos im Internet aus dem heimischen Wohnzimmer sind schön und nett, auch gegen das Singen und Musizieren auf dem eigenen Balkon oder im Internet ist nichts einzuwenden, aber es fehlt vielen doch das Erlebnis, einmal wieder gemeinsam zu singen und zu musizieren oder ein Konzert, eine Veranstaltung zu erleben.Wir könnten nun ein echtes Klagelied darüber anstimmen, aber das sollten wir lieber lassen, denn wir wollen doch eigentlich nach vorne schauen, und müssen es auch. Es kann ja nicht ewig so wei- tergehen, wie es die letzten Wochen war. Wir müssen jetzt Wege finden, um in den nächsten Mo- naten gut leben zu können, trotz Einschränkungen und Verzicht.

 

An diesem Sonntag öffnen die Kirchen bei uns noch nicht wieder für Gottesdienste, denn in diesen Zeiten müssen auch dabei alle Maßnahmen wohlüberlegt sein und dem Infektionsschutz standhal- ten. Der Glaube schützt leider nicht vor einer Ansteckung mit Corona, auch wenn uns das manche Leute weismachen wollen. Und so geht es bei der Wiedereröffnung unserer Kirchen auch nicht wie zu Zeiten von Salomo, dass man auf Kleinigkeiten nicht so achtet wie damals bei der ungeordneten Heiligung der Priester, wovon wir im Text lesen. Jetzt und hier muss alles bis ins Kleinste geordnet sein, und dennoch bleibt das Restrisiko der Ansteckung bestehen, dessen müssen wir uns klar sein.

Es werden daher auch kürzere Gottesdienste sein, die wir feiern. Sicherlich werden wir die Mög- lichkeiten ausschöpfen, die wir haben, aber sie sind begrenzt. Auf manches müssen wir verzichten, wenn wir mit den Gottesdiensten starten. Es gibt hierzu klare Vorgaben der Landeskirche, und es gibt viele Menschen, denen selbst diese Vorgaben noch zu weit gehen und die aus Sicherheitsgründen von einem Besuch des Gottesdienstes erst einmal absehen wollen. Und weil uns als Kirche, gerade in diesen Zeiten, ganz besonders daran liegen sollte, Rücksicht auf die Schwachen zu nehmen, sollten wir das so akzeptieren. Wer in nächster Zeit zum Gottesdienst kommen mag, ist herzlich eingeladen. Wer nicht kommen mag, darf wissen: Er ist mit eingeschlossen ins Gebet und die Fürbitte der Gemeinde, und darf im Herzen mitfeiern und mitbeten. Und es wird weitergehen mit anderen Formen des Gottesdienstes. Die Gottesdienste auf Papier, die ausgedruckt und ver- teilt werden, wird es weiter geben, auch wenn wieder Gottesdienst in einer Kirche gefeiert wird.

Was bei alledem jetzt noch ein wenig zu kurz gekommen ist, ist die Freude, der Jubel, der die Ein- weihung des Tempels damals begleitet hat und der eigentlich auch den Sonntag Kantate begleitet. Ich möchte Sie alle dazu ermuntern, Wege zu finden, dieser Freude Ausdruck zu geben. Wenn Sie möchten, singen Sie für sich allein. Oder schalten Sie das Radio, den Fernseher ein und hören und sehen Sie Gottesdienste, in denen gesungen wird, und singen Sie mit! Bringen Sie Ihre Freude zum Ausdruck, auch wenn es sonst oft wenig Grund dazu gibt. Denn es ist Sonntag! Amen.

 

Gebet

Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.

Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fließt.

Gott, am Sonntag Kantate feiern wir dich sonst mit viel Musik.

Doch in diesem Jahr muss auch das ausfallen. Das tut weh.

Wir bitten dich, gibt uns ein Lied ins Herz, das uns begleitet,

und die Hoffnung, dass wir eines Tages wieder mit vielen singen können, im Gottesdienst, in den Chören, zu fröhlichen Anlässen in geselliger Runde. Bleib du bei uns, mach uns Mut in diesen Wochen der Wiedereröffnungen, und bewahre uns vor einem Rückschlag bei der Bekämpfung der Pandemie, aber auch vor eigener Unvorsichtigkeit und riskantem Handeln.

Gib uns die Demut, auf uns und andere Rücksicht zu nehmen. Amen.

 

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