Karfreitag

Pfr. Andreas Schütz, Odershausen

Der oben abgebildete Flügelaltar in der Braunauer Kirche zeigt im geschnitzten Mittelteil eine sogenannte Kreuzigung im Gedränge. Anhand von 24 Figuren zeigt er die Kreuzigung Jesu vor den Toren Jerusalems.

 

Links vom Kreuz Jesu sind diejenigen zu sehen, die um seinen Tod trauern. Rechts davon stehen die Schaulustigen, die Skeptiker und die Spötter. Am oberen Bildrand unter dem Querbalken des Kreuzes Jesu begrenzt die Kulisse des „hochgebauten Jerusalem“ die Szene. Über dem maßwerkgeschmückten Tor rechts findet sich die Jahreszahl 1523 - damit ist der Schnitzaltar eindeutig datiert. Und wir erkennen: der Künstler bildet in der Kulisse und in den Kleidern seiner Epoche das ab, was anderthalb Jahrtausende zuvor bei Jerusalem geschehen ist. Er holt es in seine Zeit - und sagt: „Schaut, ihr seid es, die da unter dem Kreuz stehen!“ - Und das gilt immer noch genauso im Jahr 2020: Auch wir gehören hinein. Auf beide Seiten.

 

Wie die Abgebildeten kenne ich Zweifel, die mich von Jesus trennen wollen. Ich erlebe es, dass mir anderes wichtiger ist, als die große Liebe, die Gott mir entgegen bringt da am Kreuz. Deshalb habe ich auf dem Bild die Gesichter von zwei Menschen rechts unter dem Kreuz entfernt: da kann ich mein Gesicht hineinsetzen. Und ich darf Worte finden für das, was es mir schwer macht mit diesem Menschen, diesem Gott...

 

Im mittleren Teil zwischen den drei Kreuzesstämmen erkennt man links und rechts jeweils drei Reiter. Auf der linken Seite ist der Hauptmann Longinus zu sehen, wie er gerade den Lanzenstich in die rechte Seite des Gekreuzigten ausführt. Der Legende zufolge ist er durch Blutstropfen aus der Wunde Christi, die seine Augen berührt haben, sehend geworden, und er erkennt nun, dass Jesus wirklich der Heiland ist.

 

Es ist schmerzhaft und passt scheinbar nicht in unsere heutige Zeit, in der alles schön, gesund, fröhlich sein soll. Aber umso wichtiger ist es, diese Seite des Lebens ins Bild zu setzen. Und zu zeigen: das gibt es auch im Leben. Das gehört dazu – auch wenn es uns nicht passt und wir es vielleicht nicht verstehen.

 

Gelingt es uns, die Liebe zu erkennen, die dahinter steckt? Berührt auch uns der Blutstropfen im Auge, der den Longinus verwandelt hat? - Ja. Ich habe erkannt, dass Jesus Gottes Sohn ist. Und dass sein Tod unser Leben ist. Auch wenn das andere Auge vielleicht noch etwas getrübt ist und wir es nicht wirklich so ganz verstanden haben.

 

Wir gehören genauso zu den Menschen links unter dem Kreuz. Deshalb habe ich auch auf der linken Seite zwei Gesichter frei gemacht für unsere Gesichter: Das einer Frau, die vielleicht nachdenkt: „Was bedeutet mir der gekreuzigte Jesus?“ Und das eines Mannes, der auf den Betrachter des Bildes schaut. Was will er uns sagen? Was sind meine Worte...?

Ich wünsche Ihnen und euch gute Gedanken, Trost, Zuversicht und Heilung in dieser so ganz anderen Passionszeit — dann gesegnete und fröhliche Ostern — und, wenn der Tag da ist, wieder Freude an lebendiger Gemeinschaft!

 

Ihr/euer Pfarrer Andreas Schütz

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