Andacht zum Sonntag Miserikordias Domini

von Dekanin Petra Hegmann

Mut in der Krise

 

 

Psalm 23: 

Der Herr ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

 

Im Mittelpunkt dieses Sonntags steht das Bild von Gott als einem guten Hirten, der für seine Schafe, also für seine Gemeinde sorgt. Schaf? Ich? Dieses Bild liegt nicht jedem. Und trotzdem wäre es schön, wenn Sie jetzt weiterlesen!Denn es geht nicht darum, sich selbst als unmündiges oder gar dummes Schaf zu sehen, wie manche meinen. Es geht um die Frage, was mich im Leben trägt und stark macht, auch in schweren Zeiten.  

Ich bin bei einer sterbenden Frau, unruhig und geschwächt. Die Familie möchte ihr gerne beistehen, weiß aber nicht wie. Als wir am Krankenbett den 23. Psalm beten, bewegt die Frau die Lippen und betet mit – sichtlich ruhiger als vorher. Auf Menschen reagiert sie kaum noch. Aber die altbekannten Worte „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“, erreichen sie anscheinend. Vielleicht hat der Psalm dieser Frau Geborgenheit vermittelt. Viel­leicht konnte sie loslassen. Ich weiß das nicht. Aber ich habe in diesem Moment die Kraft gespürt, die von den Psalmworten ausging. Und die Ruhe, die die Sterbende plötzlich ausstrahlte, hat auch ihrer Familie geholfen.

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Gut zu wissen. Denn es gibt immer wieder Situationen, in denen ich an meine Grenzen komme. Am Ende des Lebens. Wenn ich vor einer neuen Herausforderung stehe und unsicher bin, was jetzt zu sagen oder zu tun ist. Dann bin ich erleichtert, wenn ich mich in den vertrauten Worten anderer bergen kann; im 23. Psalm oder in anderen Bibelworten wie dem Vater unser. Ich werde dadurch ruhiger, der Kopf wird wieder frei, Enge und die Angst werden weniger. Warum, ist schwer zu erklären. Ich fühle mich geborgen, auch wenn der Boden unter meinen Füßen schwankt. Manchmal gibt das meinen eigenen Worten und Taten wieder den richtigen Platz. 

 

Solche Worte geben mir das Vertrauen zurück. In mich selbst. Darauf, dass ich schon einen guten Weg finden werde und ich Unsicherheit auch einmal aushalten kann. In die anderen, dass wir zusammenhalten und sich Meinungsverschiedenheiten klären lassen. Und nicht zuletzt in Gott, in den guten Hirten, der alles in seiner Hand hält, die anderen und mich, das Getane und das Nichtgetane, die Lebenden und die Toten, Zeit und Ewigkeit. Gott geht mit mir und behütet mich, damit mir das Leben nicht zu schwer wird.

 

Darauf möchte ich auch jetzt bauen. Noch gilt das Kontaktverbot, aber Geschäfte, Behörden und Schulen nehmen den Betrieb allmählich wieder auf. Die einen begrüßen das: Endlich wieder ein kleines Stück Normalität! Man kann doch nicht dauerhaft eine ganze Gesellschaft anhalten! Die anderen sehen diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen: Das Risiko einer Verbreitung des Corona-Virus bleibt. Sollte man da nicht besser vorsichtig bleiben? Es ist nicht leicht, einen guten Mittelweg zwischen einschränkenden Vorsichtsmaßnahmen und einem halbwegs funktionierenden, lebenswerten Alltag zu finden!

   

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürcht‘ ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Das sind große Worte. So furchtlos, wie ich es manchmal gerne wäre, bin ich nicht. Jedenfalls nicht immer. Aber ich halte mich an diesen Worten fest. Und manchmal erlebe ich mitten in der Krise Momente der Hoffnung, wohltuende Anteilnahme und neuen Mut. Das ist dann wie ein wärmendes, göttliches Licht.  Also doch! Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Amen.

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle Vernunft, bewahre un­sere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Gebet

 

Herr unser Gott,

wir bitten dich um Mut und Trost in diesen Tagen.

Wir bitten dich für alle Kranken und alle, die sich um Erkrankte kümmern.

Wir bitten für alle, die an den Einschränkungen des Alltags leiden,

und für alle, die sich einsam und ausgeliefert fühlen.

 

Stärke unser Vertrauen, dass wir nicht allein sind.

Stärke unseren Glauben, lass uns spüren, dass du uns trägst.

Schenke uns Fantasie, Räume für Leben neu zu entdecken

und Gemeinschaft zu finden.

 

In der Stille bringen wir vor dich, was uns persönlich bewegt.

Und gemeinsam beten wir:

 

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

 

Der Herr segne und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und schenke dir Frieden.

Amen.

 

 

 

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