Predigt zum 2. Sonntag nach Ostern

von Pfrin. Katharina Wagner

Psalm 23

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

 

Liebe Gemeinde!

Am vergangenen Sonntag war ich zum ersten Mal seit Wochen wieder etwas länger mit dem Auto unterwegs. Wegen einer Straßensperrung musste ich eine Umleitung fahren durch ein romantisches Tal, und da sah ich sie, direkt an der Straße: eine Schafherde.

Schafherden haben auf mich immer eine sehr beruhigende Wirkung. Selbst in diesen Zeiten. Es ist ein friedliches Bild, wie sie da eng beieinander stehen und Gras fressen, sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen lassen, nicht durch die Autos und nicht durch die Spaziergänger.

Natürlich denke ich im Moment auch ein bisschen, wie gut es diese Schafe haben. Die brauchen sich keine Sorgen zu machen um ihre Existenz. Die brauchen auch keine Angst vor Ansteckung haben und können sich in ihrer Schafherde frei und gefahrlos bewegen. Beneidenswert.

Allerdings sollten wir nicht vergessen, dass diese Schafe ja auch nicht ganz frei sind. Sie sind auf ihrer Wiese eingepfercht, damit sie nicht ausbüxen. Es kommt immer mal jemand, der nach ihnen schaut, ob noch alles in Ordnung ist. Nicht zu vergessen die Wachhunde, die auf sie aufpassen.

Also, wirklich besser als wir haben es, bei Lichte besehen, die Schafe auch nicht. Sie sind ähnlich beschränkt, wie wir es gerade sind, in dem, was sie machen dürfen: Sie können essen, aber engeren Kontakt dürfen sie nur mit der eigenen Herde haben und sie dürfen sich nur auf abgegrenztem Raum bewegen. Auf diese Weise brauchen die Schafe aber wenigstens keine Angst vor einem schnellen Tod oder einer möglicherweise todbringenden Krankheit haben. Allerdings müssen die Schafe dafür, genauso wie wir, am besten dort bleiben, wo sie sicher sind, also bei ihrem Schäfer. Was passiert, wenn sie das nicht tun, können wir uns gut ausmalen: Sie verlaufen sich irgendwo und finden nicht zurück, blöken in der Einöde jämmerlich vor sich hin und niemand hört sie. Und dann kommt womöglich noch ein wildes Tier und reißt sie zu Tode.

 

Diese Angst kennt wohl jeder Schäfer. Jeder gute Hirte sorgt sich um seine Schafe, und zwar um jedes einzelne. Das ist ein Bild, das auch aus der Bibel bekannt ist, aus dem Psalm vom guten Hirten oder auch aus der Geschichte vom verlorenen Schaf, die Jesus einmal erzählt hat.

Jesus bezeichnet sich im Neuen Testament selbst als der gute Hirte – aber gleichzeitig wird er dort auch mit einem Schaf verglichen, das zur Schlachtbank geführt wird. Das, was er als Opferlamm, wie er dann bezeichnet worden ist, durchgemacht hat, das fasst der Apostel Petrus so zusammen:

 

1. Petrus 2,21-25

Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

 

Jesus ist also in der Bibel in beiden Rollen zu finden: als fürsorglicher Hirte und als hilfsbedürftiges Schaf. Wir kennen ihn besser als fürsorglichen Hirten. Aber von Ostern her gedacht ist Jesus eher das Schaf; das Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. Er hat gelitten wie ein Opfertier und ist schließlich hingerichtet worden. Das ist eine Vorstellung, die heute nicht mehr so gerne verwendet wird. Dabei steht im 1. Brief des Petrus schon ziemlich deutlich, dass genau dieser Weg, den Jesus gegangen ist, uns Heilung gebracht hat. Also, auch wenn einem diese Vorstellung vom Opferlamm nicht gefällt, es gibt sie in der Bibel, und lange Zeit hat genau dieses Jesusbild Menschen begleitet und auch getröstet.

 

Heilung aber ist ja das, was wir uns gerade im Moment so herbeisehnen. Wie Schafe irren wir in der Coronakrise gerade etwas ziellos herum, wir wissen gar nicht so recht, was wir jetzt machen sollen oder können, für wann und in welchem Rahmen wir wieder etwas planen können.

Es würde uns, so denke ich, auch helfen, wenn wir in dieser Krise nicht immer nur auf Zahlen schauen und den Reden von Experten zuhören würden, sondern dazu die tröstenden Worte der Bibel stärker in den Blick nehmen würden. Jesus selbst ist einen Leidensweg gegangen, ja, hat ihn gehen müssen, und dieser Leidensweg war auch nicht einfach. Es ist zwar nicht so, dass wir momentan aufgrund unseres Glaubens so leiden müssen, so leiden, wie Jesus für seine Botschaft damals leiden musste. Denn leiden müssen in der heutigen Situation auch die, die nicht glauben. Aber wir Christen müssen leiden, obwohl wir glauben. Das kann uns ungerecht vorkommen, dass wir genau wie alle anderen durch diese Krise durchmüssen und im Moment sogar noch verboten bekommen, Gottesdienste miteinander zu feiern, uns zum Singen und zum Beten zu treffen.

 

Aber auch dieses Leiden ist wohl gemeint, wenn es heißt, dass wir den Fußstapfen Jesu folgen sollen. Christsein ist nicht immer Zuckerschlecken. Lange Jahre hatten wir keine solche Krise wie die jetzige, die wirklich alle Menschen erfasst hat. Aber nun, wo sie da ist, sind irgendwo trotzdem diejenigen besser dran, die eine Hoffnung haben. Für uns Christen ist es die Hoffnung auf Heilung aller Wunden und Schmerzen, also auch der Wunden und Schmerzen, die diese Pandemie uns zufügt.

Irgendwann in der Zukunft wird es, hoffentlich, einen Impfstoff geben, mit dem das Virus besiegt werden kann. Aber verloren haben werden dann viele Menschen trotzdem. Die einen werden liebe Angehörige verloren haben, die anderen ihren Arbeitsplatz oder eben das Leben, das sie vor der Krise geführt haben und nicht wieder werden führen können, weil es dann nicht mehr alles so gibt, wie es das vorher gegeben hat.

Wir wissen jetzt noch nicht, was die Zukunft bringen wird. Aber eines können wir heute schon tun: Gott um Hilfe anrufen, zum guten Hirten beten, dass er uns beisteht und zu den frischen Wasserquellen führt. Denn Erfrischung haben wir nötig, und Abwechslung brauchen wir, gerade jetzt, in diesen Zeiten. Das Gebet aus der Bibel, der Psalm 23, kann uns wieder hinführen zu dem, was unserem Leben Halt und Hoffnung gibt, was uns Mut macht für das Morgen.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Amen.

 

Gebet

Gott, du guter Hirte, wir bitten dich um Geduld in dieser Krise. Lass uns auf das schauen, was uns Halt und Hoffnung gibt und stärke unser Vertrauen, dass du mit uns gehst und uns zu einem guten Ende führen willst, wieviel Kummer und Sorgen wir auch jetzt gerade haben.

Gott, du guter Hirte, wir bitten dich, dass du die Menschen behütest, mit denen wir uns verbunden fühlen. Beschütze und begleite sie und lass sie deine Liebe und Fürsorge erfahren.

Gott, du guter Hirte, wir bitten dich für alle Menschen, die sich fühlen wie im finsteren Tal und nicht wie am frischen Wasser. Wir bitten dich, gib ihnen Menschen, die sie begleiten und trösten, damit sie nicht in der Dunkelheit verloren gehen.

Gott, du guter Hirte, wir bitten dich für die Menschen, die sich jeden Tag für andere aufopfern. Lass sie deine Hilfe erfahren, damit sie das, was sie erleben müssen, verarbeiten können und immer wieder Stärkung für ihren Alltag bekommen. Behüte du uns alle in diesen Tagen.

Amen.

 

Wochenspruch

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

(Johannes 10,11.27-28)

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