Ostermontag, Altar von Conrad von Soest, Stadtkirche Bad Wildungen
Ostermontag, Altar von Conrad von Soest, Stadtkirche Bad Wildungen

Andacht zu Hause, Ostern 2020

von Pfrin. Andrea Hose-Opfer, Bad Wildungen

 

Spruch der Woche

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit 

und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offenbarung 1,18)

 

Psalm 21 (Übertragung Uwe Seidel)

Du, Herr, kommst uns entgegen

aus dem Tod zum Leben.

Du bist bei uns alle Tage 

und hilfst uns in allen Zeiten:

Ein Mensch den Menschen,

ein König den Herrschenden.

Ein Leidender den Kranken,

ein Träumender den Hoffenden.

Die Unmündigen berührst du

und sie tuen ihren Mund auf gegen den Tod.

Wir rufen, und du hilfst uns Tag und Nacht,

wir schreien und du lässt uns nicht im Stich.

Deine Linke trifft unsere Widersacher

und deine Rechte rückt die Gottlosen zurecht.

Steh auf, Herr, unter den Völkern.

Erhebe dich aus deiner Götterdämmerung

und beweise deine Macht.

Du, Herr, kommst uns entgegen:

Ein Mensch den Menschen,

ein König den Herrschenden,

ein Leidender den Kranken,

ein Träumender den Hoffenden,

aus dem Tod zum Leben.

 

Lied

Evangelisches Gesangbuch 99: Christ ist erstanden

 

Liebe Gemeinde,

es ist Ostern. Egal, was wir erledigt haben, egal, was wir tun oder lassen. Egal, ob die Fenster geputzt sind. Egal, ob ein Kuchen gebacken wurde. Egal, ob bunte Eier im Garten liegen. Egal, ob wir uns gegenseitig besuchen können, unter Freunden und Verwandten. Es ist Ostern. 

Was mir in den Jahren zuvor angesichts hektischer Vorbereitungen regelmäßig vor den großen christlichen Festen etwas flapsig über die Lippen ging, in diesem Frühjahr ist es tatsächlich so, spürbar für alle: Es liegt nicht an uns Menschen, ob Ostern ist. Es liegt nicht an uns, ob Ostern wahr ist. Nein, es liegt allein an Gott.

Ostern ist größer als wir tun oder denken können. Ostern ist größer als unser Verstand.

Wenn ich die Auferstehungsszene auf dem Wildunger Altarbild des Conrad von Soest betrachte, kann ich das erkennen in den Gesichtern der Grabwächter. 

„Bin ich wach, oder träume ich?“, scheint der eine, soeben erwachte, zu fragen, während der andere voller Skepsis sein Visier hochklappt und denken mag: „Das kann doch wohl nicht wahr sein.“ – Und der dritte liegt noch im Schlaf und bemerkt gar nicht, welches Wunder in seiner unmittelbaren Nähe geschieht.

Und doch ist es wahr: Der gekreuzigte Christus lebt. Die schwere Steinplatte auf seinem Sarkophag ist weggerückt, mit einem großen Schritt tritt Jesus vom Jenseits ins Diesseits, hinein in die Welt. Und wie lebendig er ist! Ja, er ist gezeichnet. Die Wundmale der Kreuzigung und das Blut sind deutlich zu sehen. Das erlittene Leid kann nicht ungeschehen gemacht werden. Es gehört zu ihm dazu, für alle Zeit. Doch während sein Leib in den Szenen von der Gefangennahme bis zu seinem Tod immer farbloser dargestellt wurde, die Gesichtszüge und der Körper mehr und mehr verzerrt bis zur regelrechten Entgleitung im Tod am Kreuz: Hier ist er von rosiger Farbe und von fast jugendlicher Schönheit. Kraftvoll-muskulös streckt er sein Bein ins neue Leben. Leicht erhebt er seinen Arm zum Segensgruß.

Das ist die Auferstehung, die große Hoffnung auch für unser Leben, auch für dich und mich: Das Geschehene wird nicht vergessen, das Schwere und Schlimme nicht ausgelöscht, aber das Leben wird verwandelt. Es wird anders und neu. Es wird geprägt von Schönheit und Stärke, von Leichtigkeit und Farbenfreude. Ein Segen!

Es ist Ostern. Und es liegt nicht an uns Menschen, ob Ostern ist. Es liegt nicht an uns, ob Ostern wahr ist. Und doch hat es mit uns zu tun, denn Ostern wird wahr auch an uns. In der Auferstehung des Einen ist uns allen die Auferstehung verheißen. Hoffnung über den Tod hinaus. 

Doch nicht erst dann, nicht erst einstmals, wenn ich gestorben bin, entfaltet diese Hoffnung ihre Kraft. Nein, schon jetzt und hier, mitten im Erdenleben kann diese Hoffnung, kann Ostern Wirkung zeigen. Das Licht der Auferstehung, es leuchtet nicht nur und nicht erst im Jenseits, sondern es kann auch jetzt unter uns immer wieder aufblitzen. Und wo das passiert, wo ich sein Leuchten wahrnehme, da geschieht Verwandlung mitten im Leben. Da sind Lob und Dank, Singen und Freude. Da kann das Schwere leicht werden und da kann bei aller Traurigkeit ein fröhliches Lächeln übers Gesicht huschen.

Und auch wenn wir in diesem Jahr nicht physisch zusammenkommen zum Osterfest, nicht gemeinsam Gottesdienst feiern und nicht gemeinsam anschließend frühstücken, auch wenn wir uns nicht treffen und nicht umarmen, sondern allein sind oder nur im engsten Kreis – es ist doch Ostern. Christ ist erstanden! Grund zu Freude und zum Feiern. 

Und vielleicht geht es ja doch miteinander, wenn auch anders: Greifen Sie zum Telefonhörer oder schreiben eine WhatsApp oder twittern Sie und grüßen einen lieben Menschen mit dem traditionellen, fröhlichen Ostergruß: Der Herr ist auferstanden, Halleluja! Er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!

 

Lied

Evangelisches Gesangbuch 116: Er ist erstanden, Halleluja

 

Gebet (nach Lydia Laucht)

Jesus Christus, 

unser Herr und Bruder,

deine Auferstehung preisen wir!

Wir danken dir

für das Lachen und die Lebenslust,

für die Freude und die Hoffnung.

 

Du bist unser Glück.

Dein Licht erstrahle in unseren Herzen!

Dein Licht erleuchte das Dunkel unserer Welt!

Wir bitten dich:* Christus, du Licht – erbarme dich!

 

Christus, du Lebendiger!

Du leidest mit den Opfern von Gewalt zuhause und in der Welt.

Du weinst mit den Kindern in den Flüchtlingslagern.

Wir bitten dich:*

 

Gib in unser Zusammenleben 

den Geist des Respekts und der Sorge füreinander.

Wir bitten dich:*

 

Gib uns Dankbarkeit für das Leben auf deiner schönen Erde.

Gib uns den Geist der Achtsamkeit und der Verantwortung für sie.

Wir bitten dich:*

 

Ans Herz legen wir dir die Menschen, 

die in ihrer Einsamkeit weinen, 

die in Krankheit seufzen - und die Sterbenden, die nach dir rufen.

Wir bitten dich:*

 

Und besonders denken wir vor dir an unsere Lieben, 

die wir nicht treffen und umarmen können an diesem Osterfest,

und wir nennen ihre Namen:

Verbunden mit ihnen und mit allen, die an dich glauben, beten wir mit deinen Worten:

Vater unser ….

 

AMEN.

 

 

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