Ostern in Zeiten von Corona (C) pixabay, gemeinfrei
Ostern in Zeiten von Corona (C) pixabay, gemeinfrei

Gedanken zu Ostern

Pfrin. Katharina Wagner, Ellershausen

Christus ist vom Tod auferweckt worden, und zwar als erster der Verstorbenen.

Was ist das für eine Zeit, in der wir uns gerade befinden. Täglich erreichen uns aus aller Welt höhere Zahlen von Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, und höhere Zahlen von Menschen, die nach einer Infektion mit dem Virus gestorben sind. Die Angst geht unter den Menschen um, denn es sind nicht nur alte, sondern auch viele jüngere Menschen, die von einem schweren Verlauf der Krankheit betroffen sind. Und es sterben nicht nur Menschen, die an Vorerkrankungen gelitten haben, sondern auch Menschen, die vermeintlich völlig gesund gewesen sind.

 

Das tausendfache Leiden und Sterben hat uns auch in die Karwoche begleitet, in der Christen in aller Welt an das Leiden und Sterben Jesu erinnern. Viele Christen gehen in Gedanken den Leidensweg Jesu mit, und es fühlt sich diesmal fast so an, als würden wir auf einem ganz ähnlichen Weg sein wie Jesus. Das letzte Abendmahl am Gründonnerstag erinnert uns an die letzten Stunden vor ein paar Wochen, die wir zusammen in trauter Runde mit Freunden gesessen und gefeiert haben. Der Weg zum Kreuz am Karfreitag erinnert an den Weg, den wir seitdem gegangen sind, der mit jedem Tag schwieriger geworden ist. Immer neue Verbote sind uns auferlegt worden, immer weniger ist uns möglich gewesen, bis wir dann ohnmächtig vor dem Kreuz standen, vor der Last, die wir tragen müssen. Bis hin zu eigener Krankheit oder dem Abschied von einem lieben Menschen.

 

Und nun, in dieser Zeit, in der sich manchmal gar nichts mehr bewegt, es oft keinen erkennbaren Fortschritt gibt, fühlt es sich an wie ein immer währender Karsamstag. Oder für die, die diesen Film kennen, wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Man ist in einer Dauerschleife gefangen. Manchmal ist es kaum auszuhalten, dass es nicht besser wird, jeder Tag fühlt sich gleich an, und wir sind zum Nichtstun, zum Aushalten, zur Geduld gezwungen. Es ist durchaus mitunter zum Verzweifeln.

Schon in „normalen“ Zeiten ist es nicht wirklich einfach, über die Auferstehung der Toten zu predigen. Die Auferstehung ist etwas, an das wir glauben müssen, ohne es zu sehen und ohne einen richtigen Anhaltspunkt dafür zu haben, dass es sie wirklich geben wird. Wir haben nur die Worte aus der Bibel. Dort haben einige Menschen bezeugt, dass Jesus nicht tot geblieben, sondern zu neuem Leben erweckt worden ist. Sie haben Jesus als Auferstan- denen gesehen. Ihren Zeugenaussagen müssen wir jedoch glauben, denn wir selbst haben es ja nicht miterlebt und auch nicht erlebt, dass irgendjemand anderes schon von den Toten wieder auferstanden ist.

 

In Corona-Zeiten finde ich es fast noch schwieriger, von der Auferstehung zu predigen. Da sind zum einen die vielen Menschen, die auf einmal sterben, manche tun das nach unserem Empfinden lange vor der Zeit, in der sie sterben sollten. Da ist zum anderen aber auch eine tiefe Sehnsucht nach einer „Auferstehung“ aus diesem Zustand, in dem wir uns gerade befinden, und die lässt auf sich warten.

 

In dieser langen, oft langweiligen, aber auch für viele sehr anstrengenden Zeit brauchen wir ganz dringend immer wieder Lichtblicke, Hoffnungszeichen auf dem Weg. Die gibt es zum Glück immer wieder. Es gibt unendlich viele gute Ideen, anderen Menschen zu helfen und ihnen eine Freude zu machen; den Menschen, die alleine sind und nicht hinaus können, und den Menschen, die in den Krankenhäusern, in der Pflege und in den Berufen arbeiten, die uns mit allem Lebensnotwendigen versorgen.

Aber worauf richtet sich denn nun unsere Hoffnung eigentlich? Darauf, dass es irgendwann doch besser werden muss? Darauf, dass unser Leben irgendwann normal weitergeht, so wie vorher? Das sind für viele Menschen sehr verständliche Wünsche. Manche wünschen sich vielleicht auch insgeheim, dass es ein wenig anders als vorher, man kann sagen, besser weitergeht. Dass es nach der Krise solidarischer, menschlicher zugeht. Aber wie es dann weitergehen wird, wissen wir jetzt noch nicht. Wir müssen wahrscheinlich noch Wochen, ja, Monate warten, um das ganze Ausmaß sehen zu können, was die Krise mit uns und mit der Welt gemacht hat. Die Hoffnungen, die wir in uns tragen, brauchen Geduld.

Ostern richtet unsere Hoffnung jedoch noch auf etwas ganz anderes.

 

Es gibt für den christlichen Glauben nicht nur die Hoffnung auf ein Leben nach der Corona-Krise. Es gibt darüber hinaus die Hoffnung auf eine Auferstehung von den Toten, so, wie Jesus Christus an Ostern auferstanden ist. Es ist eine Hoffnung über den Tod hinaus, die auch angesichts von so viel Leid und Tod in der Welt Trost geben kann. Niemand ist für immer verloren, auch nicht dann, wenn ihn oder sie das Coronavirus treffen sollte. Der christliche Glaube gibt nicht nur Hoffnung in diesem Leben, sondern über dieses Leben hinaus. Das Elend, das wir jetzt und hier erfahren, in den Nachrichten oder sogar am eigenen Leibe, können wir mit der Hoffnung auf Christus hinter uns lassen.

Wenn wir nur für das jetzige Leben auf Christus hoffen, sind wir bedauernswerter als alle anderen Menschen.

 

Aber wenn wir eine Hoffnung haben, die über den Tod hinausgeht, können wir die Ängste um uns und unsere Lie- ben und die Sorgen vor der Zukunft dem anvertrauen und überlassen, der für uns sorgt. Gott, der uns diese Hoff- nung schenkt und uns hilft.

An Ostern auferstehen geht auch jetzt in diesen Zeiten, hier und heute, am Osterfest 2020. Es geht dann, wenn wir mit diesem Ostertag neuen Mut fassen, unser Leben voller Hoffnung auf das Leben zu gestalten, in dieser schwierigen Zeit und dann, wenn es anders und neu weitergeht.

 

Amen.

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