Palmsonntag

Pfrin. Kerstin Hartge, Bad Wildungen

Palmsonntag zuhause…

 

… das passt eigentlich gar nicht. An Palmsonntag erinnern wir uns doch daran, wie Jesus auf einem Esel in Jerusalem eingezogen ist. Alle Leute sind auf die Straße gelaufen, haben ihre Kleider und grüne Palmzweige auf die Straße geworfen und ihn damit und mit ihrem Jubel wie einen König begrüßt. Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche, auch in dieser Zeit.
Und heute eben am Küchentisch, auf dem Sofa oder wo auch immer.

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,“ sagt Jesus, „da bin ich mitten unter ihnen.“ Das macht Mut, den Gottesdienst auch zu Hause zu feiern. Damit sind wir nicht allein. An jedem Sonntag feiern Christinnen und Christen rund um den Erdball Gottesdienst. So hört das gemeinsame Gebet nicht auf. Es setzt sich fort von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent. So wollen wir feiern in der Gegenwart Gottes! Zu Zweit, zu Dritt, oder auch alleine... der Friede Jesu Christi sei mit Dir/ mit Euch!             

 

 Ihre/ Eure Pfarrerin Kerstin Hartge.

 

Vorbereitung – Das braucht‘s

 

·       Den richtigen Ort: ob Küchentisch oder Sofa oder ganz woanders - das wird sich finden.

·       Diese Seiten

·       Schön wäre noch:
eine Kerze, die leuchtet
vielleicht ein Gesangbuch und/ oder eine Bibel
Das muss aber nicht sein. Alles Wichtige steht auch hier. Habt Mut zum Singen. Singen stärkt und tröstet. Wenn Du alleine bist oder es Dir nicht zutraust, kannst Du die Verse auch einfach lesen. Die Liednummern beziehen sich auf das Evangelische Gesangbuch (EG) oder das EG Plus.

Beginn

 

Eine/r: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Alle: Amen.

 

EG 11

 

1) Wie soll ich dich empfangen / und wie begegn ich dir,
o aller Welt Verlangen, / o meiner Seelen Zier?
O Jesu, Jesu, setze / mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze, / mir kund und wissend sei.

2) Dein Zion streut dir Palmen / und grüne Zweige hin,
und ich will dir in Psalmen / ermuntern meinen Sinn.
Mein Herze soll dir grünen / in stetem Lob und Preis
und deinem Namen dienen, / so gut es kann und weiß.

3) Was hast du unterlassen / zu meinem Trost und Freud,
als Leib und Seele saßen / in ihrem größten Leid?
Als mir das Reich genommen, / da Fried und Freude lacht,
da bist du, mein Heil, kommen / und hast mich froh gemacht.

6) Das schreib dir in dein Herze, / du hochbetrübtes Heer,
bei denen Gram und Schmerze / sich häuft je mehr und mehr;
seid unverzagt, ihr habet / die Hilfe vor der Tür;
der eure Herzen labet / und tröstet, steht allhier.

 

Als Psalm: der Christushymnus aus dem Philipperbrief, Kap. 2, 5-11 (Basisbibel)

 

Der Psalm kann im Wechsel gelesen werden.

 Denkt im Umgang miteinander immer daran,

welchen Maßstab Christus Jesus gesetzt hat:

 Von göttlicher Gestalt war er.

Aber er hielt nicht daran fest,

Gott gleich zu sein –

so wie ein Dieb an seiner Beute.

 Sondern er legte die göttliche Gestalt ab

und nahm die eines Knechtes an.

Er wurde in allem den Menschen gleich.

In jeder Hinsicht war er wie ein Mensch.

 Er erniedrigte sich selbst

und war gehorsam bis in den Tod –

ja, bis in den Tod am Kreuz.

 Deshalb hat Gott ihn hoch erhöht:

Er hat ihm den Namen verliehen,

der allen Namen überlegen ist.

0 Denn vor dem Namen von Jesus

soll sich jedes Knie beugen –

im Himmel,

auf der Erde

und unter der Erde.

1 Und jede Zunge soll bekennen:

»Jesus Christus ist der Herr!«

 

Alle: Ehr‘ sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet

 

Eine/r: Komm Jesus,
komm zu uns, in unsere Wohnung,
in unsere Häuser, in unser Herz.
Öffne unsere Augen,
dass wir erkennen: wir sind nicht allein.
Öffne unsere Ohren,
dass wir hören, was du sagst:
„Fürchte dich nicht. Ich bin bei dir.“
Dich loben wir und preisen Dich.
Dir sei Dank in Ewigkeit.

Alle: Amen.

 

 

+EG 107

 

Christus, dein Licht, verklärt unsre Schatten,
lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht.
Christus, dein Licht, erstrahlt auf der Erde
und du sagst uns, auch ihr seid Licht.

 

Lesung aus der Bibel

Aus dem Markusevangelium, 14, 3-9 (Basisbibel)

 

3 Jesus war in Betanien.

Er war zu Gast bei Simon, dem Aussätzigen.

Als er sich zum Essen niedergelassen hatte, kam eine Frau herein. Sie hatte ein Fläschchen mit Salböl dabei. Es war reines kostbares Nardenöl.

Sie brach das Fläschchen auf und träufelte Jesus das Salböl auf den Kopf.

4 Einige ärgerten sich darüber und sagten zueinander:

»Wozu verschwendet sie das Salböl5 Das Salböl war mehr als dreihundert Silberstücke wert.

Man hätte es verkaufen können und das Geld den Armen geben.«

Sie überschütteten die Frau mit Vorwürfen.

6 Aber Jesus sagte: »Lasst sie doch!

Warum macht ihr der Frau das Leben schwer? Sie hat etwas Gutes an mir getan.

7 Es wird immer Arme bei euch geben, und ihr könnt ihnen helfen, sooft ihr wollt.

Aber mich habt ihr nicht für immer bei euch. 8 Die Frau hat getan, was sie konnte:

Sie hat meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt.

9 Amen, das sage ich euch:

Überall in der Welt, wo die Gute Nachricht weitergesagt wird, wird auch erzählt werden,

was sie getan hat. So wird man sich immer an sie erinnern.«

 

Predigtgedanken

 

Jesus ist zu Gast,

heute, bei uns, wenn wir feiern.

Damals, in Betanien, bei Simon, der wohl einmal unter der Leprakrankheit gelitten hatte.

Niemand hatte sich ihm nähern dürfen. Ein Leben, in dem alles auf Abstand gehalten werden musste - nach den vergangenen Wochen können auch wir das in Ansätzen nachempfinden.

Jetzt – Gott sei Dank – steht sein Haus wieder offen für alle.

Über die bereits anwesenden Gäste erfahren wir nicht viel.

Vielleicht waren noch einige der Jünger mit eingekehrt. Nachdem Jesus drei Tage zuvor in Jerusalem eigezogen war, ist diese Station bei Simon noch einmal eine Ruhepause, bevor dann das Passionsgeschehen seinen Lauf nimmt. Eine Ruhe vor dem Sturm.
Alle haben sich bereits zum Essen niedergelassen, als noch ein Gast dazu kommt.

Eine Frau betritt die Szene. Ihr Name wird nicht genannt.

Nicht ein Wort, das sie vielleicht gesagt hat, wird überliefert.

Aber sie handelt. Sie durchbricht eine Reihe von Tabus:

Sie achtet nicht darauf, dass das Essen schon begonnen hat.

Sie achtet nicht auf ihre Rolle als Frau gegenüber den anwesenden Männern.

Sie hält keinen Abstand. Im Gegenteil: Sie träufelt das duftende Salböl direkt auf Jesu Kopf.

All das scheint niemanden zu stören.

Allein der Preis des kostbaren Nardenöls (die 300 Silberstücke entsprechen heute etwa 20.000€) erregt Ärger. Was hätte damit alles finanziert werden können! Welche Verschwendung für einen Menschen, wo doch so viele dieses Geld viel nötiger gebraucht hätten.

 

Jesu Antwort ist eindeutig. Er ist voller Dankbarkeit für die empfangene Salbung.

Es ist eine Salbung in doppeltem Sinn.

Dieses teuerste aller Öle war den Königen zur Salbung vorbehalten. So wird er zum Christus, zum Gesalbten, wie ihn auch schon die Menschen beim Einzug in Jerusalem begrüßt hatten.

Und so, wie Jesus selbst es deutet, salbt ihn die Frau im Voraus zum Begräbnis.

Viele heilende Wirkungen sind dem Öl zu eigen.
Auch für Jesus bedeutet es eine große Stärkung für den Weg, den er gehen wird bis in den Tod.

Wir erfahren nicht, was die Frau zu ihrer Handlung bewegt hat.

An finanziellem Vermögen scheint es ihr nicht zu fehlen.

Aber dazu war es ihr gegeben, zur rechten Zeit das Richtige zu tun.

Bis heute erinnern wir uns daran.

 

Ist so ein Ereignis für uns heute noch vorstellbar?

Es geschieht nicht oft, dass jemand etwas Außergewöhnliches leistet, ohne dass dazu nicht sein Name genannt wird. Und doch gibt es gerade in diesen Tagen so viele Namenlose,
die Gutes tun, ohne dass darüber viel geredet wird.

Aber das Tun der Frau reicht ja noch weiter. Sie konzentriert ihre ganze Hingabe auf einen einzigen Menschen. Schenkt ihm Trost. Nimmt ihm etwas von seiner Angst. Das möchte ich auch versuchen.

Aber wie schwer, ja, sogar unmöglich ist das heute in vielen Fällen. Ich denke nur an die Menschen in Senioren – und Pflegeheimen, die völlig von der Zuwendung ihrer liebsten Menschen abgeschnitten sind. In jeder Richtung, ob für Heimbewohner oder für Angehörige: Wie schwer ist es, Zeichen der Liebe und Zuneigung geben zu wollen und nicht zu dürfen, keine Hand zu halten, nicht den Kopf zu streicheln oder gar zu salben…keinen Trost zu geben und keinen zu bekommen?

Oder anders gefragt: Was nützt das kostbarste Nardenöl, wenn ich es derzeit nicht vergießen darf?

 

Wir erinnern uns heute noch an die Frau, die Jesus gesalbt hat, weil der, an dem sie gehandelt hat, auch heute noch bei uns ist, nachdem er den Weg des Leidens gegangen ist.

Ich weiß nicht, woran, von heute an gerechnet, sich die Menschheit in 2000 Jahren noch erinnern wird, an welche Namen oder Ereignisse dieses Palmsonntags 2020.
Aber ich spüre, wie nahe, wie lebendig diese Erzählung auch noch nach 2000 Jahren ist,
wie menschlich nahe uns Jesus darin kommt.

Jesus selbst hat Trost und liebevolle Zuwendung erfahren, Stärkung für das, was noch kommen sollte.

Völlig überraschend, ohne, dass damit irgendwie zu rechnen war.

Inzwischen ist diese Geschichte weiter gegangen, bis hin zu uns. Auch wir gehören dazu.

Jesus, der Christus, ist unser Trost im Leben und im Sterben!

Dass er unsere Angst sieht und sich uns freundlich und liebevoll zuwendet, darauf vertrauen wir, heute, morgen und an jedem neuen Tag. Amen.

 

Eine/r: Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird Eure Herzen und Sinne / wird mein Herz und/ in Christus Jesus bewahren.
Alle: Amen.

 

Fürbittengebet

Die einzelnen Teile des Fürbittengebetes können auf verschiedene Sprecher verteilt werden.

 

Eine/r: Gott,
in deiner Gegenwart leben wir,
auch wenn wir alleine sind.
Du kennst uns alle mit Namen.
Wir hoffen auf dich,
auch wenn wir nicht verstehen,
wir erwarten dich,
auch wenn wir dich nicht erkennen.
und ja, wir hoffen auf Heilung.

Eine/r: So bitten wir dich
mit allen Kranken,
mit allen Infizierten.
mit allen Sterbenden:
Salbe uns und umgib uns mit deiner Liebe.

Eine/r: Wir danken dir,
dass es so viele Menschen gibt,
die helfen, ohne dass wir ihren Namen kennen.
Wir danken dir für alle guten Ideen
und für alle Möglichkeiten
miteinander in Verbindung zu bleiben.

Eine/r: Wir beten mit denen,
die in Kliniken und Heimen jetzt ohne Besuch bleiben -
und mit denen, die sie pflegen und den Kummer mittragen.

Eine/r: Wir danken dir für Ärztinnen und Ärzte,
die alles in ihrer Macht Stehende versuchen,
wir danken für die Forscherinnen und Forscher,
die nach Heilmitteln suchen.

Eine/r: Wir befehlen dir alle an,
die politische Verantwortung tragen,
in unserer Stadt, im Land und auf der ganzen Welt:
Weil sie so große Verantwortung tragen
und Weisheit und Entschlusskraft brauchen,
legen wir sie dir besonders ans Herz.
Lass sie nicht verzweifeln!

In der Stille bitten wir dich:
*****

Eine/r: Gott,
in deiner Gegenwart leben wir,
auch wenn wir alleine sind.
Du kennst uns alle mit Namen.
Wir hoffen auf dich,
auch wenn wir nicht verstehen,
Wir erwarten dich,
auch wenn wir dich nicht erkennen.
Und unsere Verstorbenen dürfen
dich schauen von Angesicht zu Angesicht.

 

Vater Unser

 

Alle: Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen:
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. 

 

EG 421

 

Verleih uns Frieden gnädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine.

 

Segen

 

Eine/r: Gott, segne uns und behüte uns.
       Gott, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
       Gott, erhebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden.

Alle: Amen.

 

 

Kerze auspusten.

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