Andacht zu Pfingsten

von Pfrin. Katharina Wagner, Ellershausen

 

Apostelgeschichte 2,1-21 – Das Pfingstwunder

 

Als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer; und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. Es wohnten aber in Jerusa- lem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun die- ses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Mut- tersprache? Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkündigen. Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.

Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages; sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. Und ich will Wunder tun oben am Himmel

und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. Und es soll geschehen: wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«

 

Liebe Gemeinde!

 

Es ist im Moment, trotz aller Lockerungen, die wir in diesen Tagen erleben, immer noch undenkbar, dass viele Menschen an einem Ort zusammenkommen. Und so ein Treffen wie in der Pfingstgeschichte, die in der Bibel erzählt wird, ist schlicht und ergreifend zur Zeit unmöglich. Von dreitausend Menschen ist in der Bibel die Rede, die der Pfingstpredigt von Petrus lauschen und sich im Anschluss daran taufen lassen. Dazu kommen sie auch noch aus aller Herren Länder. Heute, im Jahre 2020, würde eine solche Veranstaltung ein immenses Infektionsrisiko bergen und abgeblasen werden. Damals entstand daraus die allererste christliche Gemeinde.

Die Pfingstfeste, an denen wir fröhlich mit vielen Menschen zusammengekommen sind und mitei- nander gefeiert haben, gehören, zumindest in diesem Jahr, der Vergangenheit an. So ein Pfingsten wie dieses Jahr hätte man sich nie träumen lassen. Keine größeren Veranstaltungen finden statt, und bei all dem, was wir vorhaben, ist immer die Frage im Hinterkopf: Können wir das so machen, und an was müssen wir denken? Im Restaurant oder Café muss rechtzeitig reserviert werden, für andere Freizeitaktivitäten muss man sich auch vorher anmelden, sonst ist dort ebenfalls schon voll. Es bleibt die freie Natur, die aber möglicherweise auch von vielen Ausflüglern bevölkert wird, und die Hoffnung auf gutes Wetter, das alle Einschränkungen immerhin erträglicher macht.

Was es einem auch erträglicher machen kann, sind Erinnerungen an andere Zeiten. Ich gebe es zu: Gerne schwelge ich in diesen Tagen in Erinnerungen. Es ist einfach schön, einmal für ein paar Momente alles hinter sich zu lassen, was gerade obenauf liegt, worauf wir ständig achten müssen, und auch die Sorgen und Gedanken aus dem Kopf zu verbannen, wie es nun weitergehen kann und wie sich alles noch entwickeln wird. Stattdessen zurückdenken, wie es mal gewesen ist und hoffentlich eines Tages wieder sein wird. Und wenn nicht, dann hat man wenigstens die Vorstellung davon, oder, wie Pippi Langstrumpf sagen würde: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!

Auch manche Geschichten helfen mir dabei, mich in eine andere Welt zu versetzen. Die Pfingstgeschichte aus der Bibel ist so eine Geschichte. Sie regt, denke ich, in jedem die Phantasie an, was da wohl tatsächlich geschehen sein mag, siebzig Tage nach Ostern und zehn Tage nach der Himmelfahrt. Denn was die Bibel schreibt, klingt ja unglaublich: ein Orkan, der durchs Zimmer fegt, Kerzenflammen auf den Köpfen der Jünger, begleitet von einem Durcheinandergeplapper der Beteiligten, und es wirkt dann auch noch wie ein Saufgelage.

 

In dieser Geschichte begegnet uns der Heilige Geist als gewaltige Kraft, die fähig ist, alles durcheinanderzuwirbeln, einem Erdbeben gleich. So würde man es sich ja oftmals auch wünschen, dass Gott in unser Leben eingreifen und es so tiefgreifend verändern würde. Mit einem Mal würde alles, was schlecht ist, herauskatapultiert, und es würde Frieden und Freude einziehen, wo vorher Zweifel und Unsicherheit waren. Wenn das mal so geschehen würde wie in der Bibel, dann würde alles wieder einen Sinn ergeben, und die Verschwörungstheoretiker könnten einpacken.

Wir dagegen leben, so ähnlich wie die Jünger damals, bevor der Heilige Geist sie so bewegte, in völliger Ungewissheit, wie es weitergehen mag. Wir sind in diese Situation hineingestellt worden, in der wir uns befinden, in die Corona-Krise, und irgendwie fühlen wir uns manchmal genauso al- leingelassen wie die Jünger. Vielleicht auch von Gott alleingelassen. Wir möchten gerne Gewissheit haben, ob wir nun endlich so weiterleben können, wie wir es möchten, ohne die Angst vor einer zweiten Corona-Welle, ohne die Sorge vor weiteren Einschränkungen. Doch immer wieder werden Maßnahmen verlängert, hören wir die Warnungen von verschiedenen Experten, die unsere Erwartungen dämpfen und uns in neue Fragen stürzen.

 

Der Heilige Geist jedoch kann auch ganz anders. Er kommt oftmals nicht in einem gewaltigen Beben, sondern in einem stillen, sanften Sausen, das wir nur wahrnehmen, wenn wir unsere Fühler danach ausstrecken. Schon im Alten Testament wird von Gott berichtet, dass er manchmal ganz heimlich, still und leise unter uns handelt und uns leitet. Gottes Gegenwart nimmt Elia nur wahr, indem er genau hinhört und spürt. Der Heilige Geist kommt noch heute vor allem in den leisen Tönen, in den Zwischentönen des Lebens. Und wenn wir uns auf diese Zwischentöne einlassen, können wir ihn viel eher erleben als sonst. Vielleicht gerade in diesen Zeiten, die so anders sind. Lange Zeit war es sehr ruhig um uns herum, in manchen Dingen ist es auch immer noch ruhiger als sonst. Solche besonderen Zeiten geben die Gelegenheit, einmal in uns selbst hineinzuhorchen, auf Gottes Stimme zu horchen, die zu uns redet. Denn Gott schweigt nicht, nur weil vieles in diesen Zeiten nicht stattfinden kann, auch viele Gottesdienste nicht. Er redet auch jetzt, nur eben anders.

Der Heilige Geist weht, wo er will, heißt es. Und so ist es wohl auch. Wir haben keinen Einfluss darauf, aber manchmal können wir erleben, wie der Heilige Geist wirkt. Er hilft uns aus scheinbar ausweglosen Situationen heraus und stärkt uns auf unserem Weg. Er macht das Unmögliche auf einmal möglich. Und er gibt uns Kraft, wo wir kraftlos gewesen sind.

Kraft werden wir auch in den nächsten Wochen brauchen. Denn noch immer haben wir die Pa demie nicht überwunden. Gott kann uns aber stärken für diesen Weg, den wir nun vor uns haben, in der neuen Normalität, in der uns das Coronavirus immer noch begleitet. Amen.

 

Gebet

Komm, Heiliger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft.

Komm zu denen, die sich schwach fühlen und Angst vor der Zukunft haben.

Komm zu denen, die sich stark fühlen und endlich wieder ihr Leben gestalten wollen.

Komm zu den jungen Menschen, die nach Möglichkeiten für die Zukunft suchen. Komm zu den alten Menschen, die sich nach einem ruhigen Lebensabend sehnen.

Komm zu allen Menschen, die sich überfordert fühlen und nicht weiterwissen. Komm zu den Menschen, die nicht wissen, was aus ihrer Arbeit wird.

Komm, Heiliger Geist, bewege uns, dass wir uns nicht dem Virus ergeben, sondern es bekämpfen, wie und wo wir es nur können,

damit alle Menschen wieder aufatmen können.

 

Amen.

 

Lieder

Herz und Herz vereint zusammen, Evangelisches Gesangbuch, Nr. 251 Komm, o komm, du Geist der Wahrheit, Evangelisches Gesangbuch, Nr. 134

 

Wochenspruch

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.

 

(Sacharja 4,6b)

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