Andacht zum Sonntag Rogate

Pfrin. Katharina Wagner, Ellershausen

 

Matthäus 6,5-15: Vom Beten - Das Vaterunser.

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unse- re Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, son- dern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

 

Liebe Gemeinde!

Es war schon fast vergessen, in der Corona-Pandemie erlebt es jedoch einen ungeahnten Auf- schwung: das stille Kämmerlein. Es ist ein Rückzugsort, den es in jedem Haus geben sollte, nicht nur in Corona-Zeiten. Aber in ihnen erleben wir den Wert eines stillen Kämmerleins noch einmal ganz besonders. Wenn rings um uns alles zusammenzubrechen droht, die Nachrichten uns Angst machen und uns sogar unsere Mitbewohner irgendwann auf die Nerven gehen, dann ist ein Ruheraum ganz für sich alleine eine richtige Wohltat. In diesem Raum können wir einfach mal nichts tun. Wir können Luft holen, wenn es anderswo gerade nicht geht, wir können uns mit dem beschäftigen, was uns gut tut, in Gedanken und in Werken, und vor allem können wir beten.

Es ist momentan vielleicht der sicherste Raum, um zu beten, und auch darum sind die Worte Jesu dick zu unterstreichen, dass es der beste Raum dafür ist. Kirchen sind zwar in vielen Dörfern und Städten geöffnet, auf Spaziergängen gibt es am Wegesrand Orte, die zu einem Gebet einladen, aber draußen ist eben, immer noch, auch dieses Virus. Drinnen, im stillen Kämmerlein, ist es nicht, wenn ich es nicht mitgebracht habe. Draußen sind außerdem noch die, die selbst jetzt in der Krise große Worte machen, um gehört zu werden; die plappern, weil sie meinen, dass Gott sie so hört.

Aber so wenig nötig, wie es vor Corona gewesen ist, und so wenig nötig, wie es nach Corona sein wird, ist es, öffentlichkeitswirksam mit überschwänglichen Worten zu beten. Es ist sicherlich nötig, öffentlich klare Worte zu sagen, wenn Corona-Regeln völlig missachtet und gar mit Füßen getreten werden. Es ist ebenso nötig, und immer wieder hören wir das, sich selbst weiterhin so zu verhal- ten, dass andere nicht gefährdet werden. Aber beten müssen wir nicht unbedingt öffentlich mit großen Worten. Es hat seinen guten Sinn, dass Gottesdienste, die jetzt stattfinden, kürzer sind als gewohnt, dass auf Trauerfeiern keine langen Gebete gesprochen werden. Der sicherste und im Moment beste Ort fürs Gebet ist ganz klar zuhause, ist das stille Kämmerlein.

Nun mag es sein, dass wir dort nicht gleich Worte finden für das Gebet. Die Situation macht es uns ja wirklich nicht einfach. Und viele haben vor Corona daheim gar nicht so intensiv gebetet, manche aus Zeitmangel nicht, andere nicht, weil es ja die Kirche gab, und den Chor, und andere Kreise. Aber das gemeinschaftliche Beten mit vielen anderen ist mit Corona für viele erst einmal weggefallen. Zuhause, für sich alleine oder mit denen, die bei einem sind, zu beten, das muss man erstmal einüben. Selbst das Vaterunser so zu beten, mag nicht für alle Gewohnheit sein. Aber genau die- sen Vorschlag macht Jesus: So sollt ihr beten! Und zwar deswegen, weil das Vaterunser alles ent- hält, was zu einem Gebet gehört, welches der Vater im Himmel hört und annimmt.

Jetzt, in Corona-Zeiten, werden einem manche Bitten des Vaterunsers tatsächlich noch einmal in ganz anderer, neuer Weise wichtig. Für mich als Pfarrerin war das Vaterunser ja auch vorher schon alltäglich, mehrfach habe ich es zu verschiedenen Anlässen jeden Tag gebetet. Aber oft auch „einfach so“, ohne viel darüber nachzudenken. Das hat sich mit Corona sehr geändert, und wenn Sie einmal mit mir in das Gebet mit einsteigen, empfinden Sie es möglicherweise genauso.

Wir rufen mit dem Vaterunser den an, der sich unser annimmt als unser himmlischer Vater. Es ist ein großer Trost, in diesen Zeiten jemanden an seiner Seite zu wissen, denn schnell kann man sich ja auch alleingelassen fühlen. Gerade, wenn da eben niemand mit im Haus ist, oder wenn die, die noch da sind, rücksichtsvoll Abstand halten, aus Sorge vor einer Ansteckung mit dem Virus. Manchen fehlen die Umarmungen der Kinder und Enkel, anderen sogar die Besuche von ihnen. Hoffentlich wird es bald besser, so kann man nur zu Gott beten. Dein Reich komme! Durch Jesus ist uns ja zugesagt, dass es für uns nicht hoffnungslos ist. Gottes Reich ist im Kommen. Im Moment sieht es zwar immer noch anders aus. Da ist kein großartiges Gemeindeleben mit anderen Christen möglich, kein Abendmahl im Gottesdienst, kein gemeinsames Singen. Aber es gibt die Hoffnungs- schimmer, wo etwas aufbricht wie die Blumen aus dem Asphalt. Nicht alles ist verboten. Finden wir etwas, das wir tun können, und das uns jetzt Mut gibt, weiterzumachen.

Das ist Gottes Wille, nicht aufzugeben. Wenn es auch schwer ist zu glauben, dass der Weg des Coronavirus Gottes Wille ist. Wir müssen wohl einsehen, dass wir das einfach nicht verstehen, oder auch noch nicht verstehen. Vielleicht wird das ja eines Tages anders und wir können dann sagen, dass das Virus nicht nur Schlechtes gebracht hat, sondern einige gute Ansätze hervorge- bracht hat, dass wir die Chance genutzt haben, die jede Krise auch mit sich bringt. Aber auch hierbei sollten wir vorsichtig sein mit großen Worten. Dein Wille geschehe, dieser Satz reicht schon für das Gebet. Gott wird es so machen, dass wir damit umgehen können. Das ist sein Versprechen, nichts anderes. Er bewahrt uns nicht in jedem Fall vor dem Leiden. Aber er hilft uns hindurch. Und gibt uns alles dafür, was wir brauchen. Das tägliche Brot und noch viel mehr.

Mir geht es schon so, dass ich das viel mehr schätzen gelernt habe. Es ist ein Segen, wegen einem Brot nicht mit Mundschutz und Corona-Gedanken in die Stadt fahren zu müssen, weil das Bäckerauto ja kommt. Es ist schön, im Keller Marmelade und saure Gurken zu haben. Es ist schön, die Kartoffeln gesetzt zu haben und sich schon auf die Äpfel und Birnen zu freuen, deren Bäume so wunderbar geblüht haben. Auf der anderen Seite denke ich aber dann an die Gastarbeiter in den Schlachthöfen und auf den Spargelfeldern, die sich in ihren Unterkünften mit dem Virus angesteckt haben. Auch ihre Arbeit müssen wir mehr schätzen lernen, wie die Arbeit der Menschen in Pflegeberufen.

Ja, auch in diesem Punkt haben wir lange übersehen, wie gut es uns geht, während andere unter unwürdigen Bedingungen schuften. Vielleicht haben wir uns sogar an anderen Menschen schuldig gemacht. Doch niemand von uns ist schuld daran, dass das Virus unter uns ist. Unsere Lebensweise vor Corona war sicherlich nicht in jeder Hinsicht gut, aber so vieles auf der Welt war nicht gut, und ist es auch jetzt noch nicht, und Schuldzuweisungen helfen uns nicht aus der Krise. Vergebung dagegen kann helfen, und sei es in der Hinsicht, dass uns damit selbst ein Stein vom Herzen fällt. Es ist jetzt eine gute Zeit, sich auszusprechen, einander zu vergeben, denn wir haben Zeit dafür, und weil wir ja nicht wissen, was kommt, ist es immer gut, vorzusorgen und eine Last loswerden zu können. Vorzusorgen war im Übrigen auch noch nie falsch.

Denn Versuchungen gibt es leider genug, gerade mit den Öffnungen im gesellschaftlichen Leben sind sie noch stärker geworden. Wir wollen manchmal schon zu viel des Guten. Wir können sogar auf eine schiefe Bahn geraten, weil uns bestimmte Aussagen einleuchten, die in Wahrheit nichts anderes sind als Teile von Verschwörungstheorien. Wir müssen aufpassen, gerade jetzt, und beim Gebet bleiben, denn das ist der wirksamste Schutz, leider nicht gegen Corona selbst, aber gegen das Böse in der Welt, das uns in einen Abgrund ziehen will, der noch schlimmer ist als Corona.

Denn Corona selbst bringt uns ja nicht weiter weg von Gott. Weg von Gott geraten wir, wenn wir anderen Mächten mehr vertrauen als denen, die Gott uns dazu gegeben hat, uns durch die Krise zu führen. Wie wir am besten hindurchkommen, müssen wir immer wieder prüfen. Aber dafür steht uns das Gebet, das Vaterunser, zur Verfügung. Denn es führt uns auf die richtige Spur. Amen.

 

Gebet

Gott, du bist zu uns wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst.

Du bist zu uns wie eine Mutter, die ihr Kind schützend in den Arm nimmt. Du lässt uns auch in der Krise nicht allein.

Wir brauchen nicht viele Worte. Wir brauchen nur dich.

Darum bitten wir dich: Bleibe bei uns. Amen.

 

Lieder

Danke für diesen guten Morgen, Evangelisches Gesangbuch Nr. 334 Ach bleib mit deiner Gnade, Evangelisches Gesangbuch Nr. 347

Bist zu uns wie ein Vater, EG Plus Nr. 54

 

Wochenspruch

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.

(Psalm 66,20)

 

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