Andacht zum Sonntag Trinitatis (7. Juni 2020)

Pfrin Katharina Wagner, Ellershausen

4. Mose 6,22-27 – Der priesterliche Segen

 

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

 

Liebe Gemeinde!

 

Die Reisezeit hat begonnen. Wie anders sie in diesem Jahr sein wird als in den vergangenen Jahren, lässt sich zwar jetzt, wo sie gerade erst beginnt, noch gar nicht in allen Einzelheiten sagen. Diejenigen, die ihre Koffer tatsächlich packen, nehmen jedoch schon von vornherein große Einschränkungen bei ihrer Urlaubsreise in Kauf. Manche haben ihr Reiseziel ändern müssen. Statt in die weite Ferne geht es nun an einen viel näher gelegenen Urlaubsort. Nicht der Flieger, sondern das eigene Auto bringt einen dorthin. Im Gepäck sind Dinge, die sich vorher nie dort befunden haben, Mundschutz, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel.

 

Was neben solchen Besonderheiten auch bei einigen mitreisen dürfte, ist ein komisches Gefühl. Schließlich ist es für die meisten nach vielen Monaten das erste Mal, dass sie wieder länger von zuhause weg sind, und im Vergleich zur letzten Urlaubsreise hat sich eine Menge geändert. Viele Vorschriften gibt es mittlerweile in der Öffentlichkeit zu beachten, wenn man am Strand ist, im Restaurant, im Hotel. Es ist nicht alles erlaubt, und die unsichtbare Gefahr, das Virus, kann ja schon da sein, wo man hinkommt, ohne dass man es merkt oder etwas dagegen tun könnte. Also stellt sich die Frage, ob man denn das Richtige tut oder es doch besser hätte lassen sollen mit dem Urlaub, wie es andere tun, denen das Risiko einfach zu hoch ist.

Aber auf alles verzichten, was das Leben angenehm macht, wenn man schon auf so vieles verzichtet hat in den letzten Monaten, wer will das schon? Schließlich kann es genauso gefährlich sein, den Supermarkt zuhause zu betreten, wie an einen anderen Ort zu fahren. Man weiß eben nie, ob da nicht das Virus ist, und mit diesem Zustand müssen wir wohl noch eine ganze Weile leben. Und deswegen ist es ja eigentlich vernünftig, nach vorne zu schauen und sich mit dem Virus einzurichten, das eben da ist und nicht weggeht, mit dem Virus, das selbst keinen Urlaub macht. Auch auf Reisen kann es unsichtbarer Begleiter sein. Es sei denn, man wählt den echten Urlaub vom Coronavirus. Den kann aber nur der machen, der wirklich daheim bleibt und in selbstgewählte Quarantäne geht, also darauf verzichtet, irgendwohin zu fahren, wo er nicht sicher vor dem Virus ist. Wer das Glück hat, ein schönes Zuhause mit Garten zu haben, ist hier klar im Vorteil.

Wer allerdings doch verreist, tut das unter den Bedingungen, die jetzt vorherrschen. Das bedeutet auch, dass Reisen jetzt beschwerlicher geworden ist. Aber man lässt sich darauf ein, weil es ja, immer noch und trotz allem, ein Ziel gibt: den Ort, der Erholung und Entschädigung für alle Mühen bietet, die man auf sich genommen hat. Das alles wartet am Ende der Reise, und die wirklich schönen Momente kann einem auch kein Coronavirus nehmen. An einem schönen Ort kann man, zumindest für ein paar Augenblicke, auch das Virus sicherlich einmal vergessen.

 

Mit diesen Erwartungen, einen Ort zu erreichen, an dem es einfach nur schön ist, an dem es sprichwörtlich Milch und Honig in Mengen geben sollte, sind auch die Israeliten gereist, im Alten Testament. Nachzulesen ist das in den fünf Büchern Mose. Die Reise der Israeliten war beschwerlich, da war zwar kein Coronavirus, das sie verfolgt hat, aber sie reisten mit der Angst vor anderen Völkern, die auf dieser Reise über sie herfallen könnten, und sie reisten mit einer großen Portion Hunger und Durst durch die Wüste, in der es ja kaum etwas an Nahrung und Wasser gab.

 

Was sie damals immer wieder brauchten, ist das, was auch uns immer wieder gut tut auf diesem Weg: Ein Zeichen dafür brauchten sie, dass Gott auf ihrem Weg mitgeht. Sie haben ihren Gott um seinen Segen für ihren langen Weg gebeten. Den Segen spendeten ihnen die Priester, die mit ihnen zogen. Mose, der Anführer, hatte einen älteren Bruder, Aaron. Dieser Aaron und seine Söhne nahmen diese Funktion wahr als Priester, die Gottesdienste gehalten haben, auch in der Wüste, auf dieser Durststrecke. Für die Gottesdienste gab es die Stiftshütte, ein Zelt, in dem sich das Al-lerheiligste befand, die so genannte Bundeslade, das Zeichen des Bundes zwischen Gott und sei-nem Volk. Sie ging immer mit, auf der ganzen Reise. Und die Priester hielten für das Volk Gottes-dienste, beteten und spendeten Gottes Segen. Eines dieser Segensworte muss schon damals eine große Wirkung gehabt haben, jedenfalls hat sich dieser Segen bis heute erhalten und wird noch heute in fast jedem Gottesdienst zum Schluss gespendet, der so genannte Aaronitische Segen, der auch über dieser Predigt steht, als Predigttext für den heutigen Sonntag der Dreieinigkeit Gottes. Einen Priester haben wir sicherlich auf unserer Durststrecke nicht immer zur Verfügung, auch nicht dann, wenn wir jetzt in Corona-Zeiten unterwegs sind. Und an den Urlaubsorten dürfte es wahr-scheinlich auch gerade nicht so einfach sein wie früher, einen Gottesdienst oder eine Kapelle zu besuchen. Genau wie bei uns werden die Gottesdienste in kleinerem Kreis stattfinden müssen, und der Zugang zu den offenen Gotteshäusern, zur Besichtigung, wird eventuell beschränkt sein, damit sich nicht zu viele Menschen gleichzeitig in einem Gebäude aufhalten. Was dann wohltuend sein kann, sind Wegekreuze, die wir nach wie vor ganz normal aufsuchen können. Kreuze, Andachtsorte, die draußen sind, wo das Virus sich schneller verflüchtigt, aber der Segen Gottes nicht. Den Segen spüren wir an diesen Orten, und er stärkt uns auf dem weiteren Weg.

 

Und vielleicht haben wir auf unseren Reisen auch etwas dabei, das uns geistlich begleiten kann, wenn wir gerade keinen anderen Ort, keine Kirche oder Kapelle, dafür besuchen können, eine Bibel, ein Losungsheft, ein Gesangbuch. Etwas, das uns immer wieder Kraft gibt, gerade in diesen Zeiten. Es sind Zeiten, in denen sogar das geistliche Leben anders gestaltet werden muss als sonst. Das ist etwas, an das wir uns auch gewöhnen müssen, auf diesem langen Weg.

Auf diesem Weg kann uns aber gerade die Bedeutung des Segens wieder stärker ins Bewusstsein kommen. Es gibt, neben dem Segen, der am Ende des Gottesdienstes gesprochen wird, andere Segenssprüche, die zum Teil auch im Gesangbuch zu finden sind. Sie können einem in dieser Zeit, in der wir vielleicht nicht so ausgedehnt oder überhaupt nicht reisen können, besonders wertvoll werden. Denn wo wir auch sind, ob auf Reisen oder auch zuhause, ob wir uns behütet fühlen an einem sicheren Ort oder, so wie jetzt, stürmische Zeiten erleben, die uns manchmal den Schlaf und sogar die Hoffnung rauben, Gott ist gegenwärtig, und das ist er mit seinem Segen.

Der Segen ist nicht nur ein Gruß Gottes, den Gott uns am Ende des Gottesdienstes mitgibt für zuhause. Der Segen ist viel mehr als das. Er steht dafür, dass Gott seine Leute nicht im Stich lässt. Gott ist uns gnädig, so hieß es früher. Nach einer Zeit voller Entbehrungen wird er uns wieder die Fülle dessen schenken, was er uns versprochen hat. Und inmitten solcher Entbehrungen, Einschränkungen, spendet Gottes Segen Kraft und Zuversicht, so wie er damals schon in der Wüste dem Volk Israel Kraft gegeben hat, ihren Weg weiterzugehen. Es mag Jahre dauern, bis wir an das Ziel gelangen, aber der Segen ist das Zeichen, dass nicht nur dieses Virus derzeit unser ständiger Begleiter auf unseren Wegen sein könnte, sondern dass auch und vor allem anderen Gott unser fester Begleiter ist. Den Segen Gottes können wir jeden Tag aufs Neue auffrischen, indem wir ihn uns zusagen lassen – und das geht auch, wenn wir ihn lesen und auf uns wirken lassen.

Amen.

 

Reisesegen (aus dem Evangelischen Gesangbuch, Nr. 922)

Der Herr sei vor dir,

um dir den rechten Weg zu zeigen.

Der Herr sei neben dir,

um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.

Der Herr sei hinter dir,

um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.

Der Herr sei unter dir,

um dich aufzufangen, wenn du fällst, und dich aus der Schlinge zu ziehen.

Der Herr sei in dir,

um dich zu trösten, wenn du traurig bist.

Der Herr sei um dich herum,

um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.

Der Herr sei über dir,

um dich zu segnen.

So segne dich der gütige Gott. Amen.

 

Lieder

Gott ist gegenwärtig, Evangelisches Gesangbuch Nr. 165

Segne und behüte, Evangelisches Gesangbuch Nr. 562

 

Wochenspruch

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! (2. Kor. 13,13)

 

Seite durchsuchen

Kirche von zu Hause

Das Coronavirus schränkt  das Leben ein. Natürlich ist Kirche davon nicht ausgenommen. Deswegen hat die EKD einige Alternativen zusammengestellt, wie der Glaube auch ohne Ansteckungsgefahr gelebt werden kann.

Jahreslosung 2020

#gutezeichen