Wenn die Ampel auf Rot steht

Ev. Kirchenkreis Eder beriet mit Experten über Zukunft seiner Immobilien

von Karl-Hermann Völker

(v.l.n.r.) Karl-Friedrich Frese (Landkreis Waldeck-Frankenberg), Jan-Friedrich Eisenberg und Petra Hegmann (Kirchenkreis Eder), Johanna Wenzel (Bistum Fulda), Jochen Rapp (Badische Landeskirche) und Hubertus Marpe (Zweckverband KiTa) Foto: K-H. Völker
(v.l.n.r.) Karl-Friedrich Frese (Landkreis Waldeck-Frankenberg), Jan-Friedrich Eisenberg und Petra Hegmann (Kirchenkreis Eder), Johanna Wenzel (Bistum Fulda), Jochen Rapp (Badische Landeskirche) und Hubertus Marpe (Zweckverband KiTa) Foto: K-H. Völker

Waldeck-Frankenberg. Ampelfarben signalisieren künftig, ob kirchliche Immobilien weiter zu nutzen (grün), ungeklärt, aber nicht mehr finanzierbar (gelb) oder endgültig aufzugebensind (rot). Massive gesamtgesellschaftliche und kirchliche Veränderungen mit einem Mitgliederrückgang um voraussichtlich 50 Prozent in den nächsten zehn Jahren zwingen die Evangelische Landeskirche von Kurhessen-Waldeck, sich von Gebäuden zu trennen – notfalls sogar einzelne Kirchen zu verkaufen. 

 

 „In den 2030er-Jahren werden wir nur noch 50 Prozent unserer Mittel haben und etwa 30 Prozent unserer Gebäude erhalten können“, rechnete Pfarrer Jan Friedrich Eisenberg (Vöhl), stellvertretender Dekan des evangelischen Kirchenkreises Eder, in der Lukaskirche von Bad-Wildungen-Reinhardshausen vor. Dort berieten jetzt kirchliche Bauexperten, Kirchenvorstehende, kommunale Vertreter und interessierte Bürger in einem Gebäudeforum gemeinsam den „Gebäudestrategieprozess 2026+“ der Landeskirche. Sie suchten dabei in Referaten und Arbeitsgruppen nach Konzepten, Synergien und Kooperationen mit kommunalen Partnern.

 

„Dafür gibt es noch keine Blaupause“, meinte Eisenberg. Es müsse nun bis zum Herbst 2024 im Kirchenkreis Eder eine Gesamtschau der 220 Gebäude, darunter 78 Kirchen, erfolgen und daraus ein Ampelsystem erstellt werden, das deren Wertigkeit für die weitere Nutzung beschreibt. Eine Priorisierung der Kirchen vor anderen Gebäuden sei nicht zwingend vorgegeben. „Wenn also in Zukunft Gebäude umgenutzt oder gar aufgegeben werden, dann ist das keine Bestrafung für vermeintlich untätige Gemeindeglieder vor Ort, sondern schlichtweg die pure Notwendigkeit“, betonte Eisenberg.

 

 Nur die im grünen Bereich stehenden Gebäude finden Eingang in den Gebäudebedarfsplan mit finanziellen Zuweisungen. Schon jetzt zählen Gemeindehäuser zum gelben und roten Bereich. „Wer diese Gebäude halten möchte, muss sie künftig auch selbst finanzieren oder mit anderen kooperieren.“ Das bedeute enge Zusammenarbeit der Kirchen mit Vereinen und Kommunen, schlug Eisenberg vor und verwies auf die Beispiele Freienhagen oder Böhne.

 

Er bekam bei diesem Appell in Reinhardshausen Unterstützung vom Ersten Kreisbeigeordneten Karl-Friedrich Frese, der die Tagungsteilnehmer aufforderte: „Suchen Sie zur Kooperation den engen Austausch mit den Menschen vor Ort, den Dialog von Kirche und Bürgermeistern!“

 

Kirchen als Café oder Kita

 

Kircheneigene Gebäude sind zentrale Räume des Gemeindelebens, mit denen die Menschen persönliche Glaubenserfahrungen und zentrale Ereignisse ihrer Lebensbiografie verbinden. Nach Prognosen sind für sie aber im „Gebäudestrategieprozess 2026+“ in der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck 50 Prozent der Kosten mittel- und langfristig einzusparen. „Für diese Szenarioberechnungen gilt es, belastbare Grundlagen und Interessen der Gemeinden, Gruppen und der Landeskirche abzuwägen“, erklärte Dekanin Petra Hegmann bei der Eröffnung des dazu einberufenen „Gebäudeforums“ des Kirchenkreises Eder in der Lukaskirche von Reinhardshausen. „Wir müssen sehen, wie wir uns dabei vernetzen und gegenseitig helfen.“

 

Wie weit ein solcher Umsetzungsprozess in der Badischen Landeskirche schon fortgeschritten ist, beschrieb deren Bauamtsleiter Jochen Rapp. Dort seien bereits eine solche Gebäudeampel bis 2032 für 2200 Liegenschaften mit einem Gebäudewert von 4,6 Milliarden Euro und ein Finanzierungsplan entwickelt worden. Angestrebt werde auch Klimaneutralität dieser Gebäude durch Reduzierung von aktuell 50 000 Tonnen Treibhausgas-Emissionen, so Rapp.

 

Auch für den Kirchenkreis Eder und seine Gebäude gelten diese Anforderungen, wenn die Landessynode in Hofgeismar vermutlich noch im Frühjahr, spätestens aber auf einer der nächsten Tagungen ein Klimaschutzkonzept verabschiedet, das eine Treibhausneutralität bis 2045 vorsieht.

 

Im katholischen Bistum Fulda seien schon mehrere „Nachkriegskirchen“ aufgegeben worden, berichtete Johanna Wenzel, Dozentin für kaufmännisches Immobilienmanagement, die dort 28 Pfarreien mit ihren Pfarrheimen und Kirchen betreut. „Der pastoral genutzte und vom Bistum bezuschusste Immobilienbestand wird an den Bedarf und die Finanzierbarkeit des Gebäudeunterhalts angepasst.“ Das bedeute bis 2030 eine Reduzierung der Gebäudefläche um 50 Prozent.

 

„Die Kirchen gehören zum Dorf. Sie sind ortsbildprägende Gebäude, verbunden mit einer hohen Identifikation der Bevölkerung“, mahnte Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese. Angesichts des ländlichen Strukturwandels warb er für die Nutzung von voll erschlossenen Grundstücken zur Stärkung der Dorfkerne und nannte als gelungene Beispiele die Neunutzung der Pfarrhäuser von Viermünden, Bromskirchen oder Sachsenberg. Frese wies auf Fördermöglichkeiten wie Dorferneuerung, LEADER-Plus-Programm und Städtebauförderung in den Mittelzentren hin. 

 

Beispiele für bereits erfolgreiche Umnutzungen von Kirchen stellte in seinem bebilderten Vortrag am Nachmittag Hubertus Marpe, Pfarrer und Präses der Kreissynode, vor: In Bad Wildungen wurde die Friedenskirche bei der Erweiterung der Ev. Kindertagesstätte mit einbezogen und zu einem multifunktional nutzbaren Raum umgebaut. In Willingen sei unter der 1967 als Gemeindezentrum errichteten ev. Kirche ein Gemeinde- und Begegnungszentrum mit Café entstanden, berichtete Marpe. In Asterode (Schwalm-Eder) wurde durch Einbau einer Trennwand ein Gemeinderaum für kleinere Treffen geschaffen, separat beheizbar. Hubertus Marpe wies auf die „Stiftung KiBa – Wir erhalten Kirchen“ hin, die gerade auch besondere Projekte in kleinen Dörfern mit wenigen evangelischen Gemeindegliedern fördere.

 

In vier Arbeitsgruppen berieten die Tagungsteilnehmer Wege zur Gebäudestrategie, über die die Kreissynode des Kirchenkreises Eder entscheiden muss. Bereits am Donnerstag, 7. März, ab 18.30 Uhr, steht in der Kellerwaldhalle Frankenau diese Thematik bei ihrer Tagung auf der Tagesordnung.

 

Hintergrund

 

Zur Landeskirche von Kurhessen-Waldeck gehören 2100 Gebäude und 1100 Kirchen, davon 87 Prozent unter Denkmalschutz. Sie alle stehen jetzt auf der Prüfliste. Als Bischöfin Dr. Beate Hofmann 2022 in der Landessynode diesen Prozess zur Gebäudereduktion ankündigte, sprach sie von „anvertrauten Pfunden, Ermöglichungsräumen und kulturellem Erbe“, bekannte aber auch: „Unser Glaube hängt nicht an Steinen.“ Sie appellierte weiterzudenken, diakonische und sozialräumliche Nutzung von Gebäuden, auch ökologische Gesichtspunktewahrzunehmen. Es gebe bereits Erfahrungen mit Kooperationen und innovativen kirchlichen Projekten, die den sozialen Zusammenhalt beförderten, stellte die Bischöfin fest. 

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