Die evangelische Kirche zu Giflitz

Über dem Portal der Giflitzer Kirche steht neben dem Waldecker Stern die Jahreszahl 1625. Die Buchstaben CGVHZW bedeuten Christian Graf und Herr zu Waldeck. Welche Bewandtnis es mit dieser Jahreszahl hat, ist nicht bekannt, denn die Kirche ist sicher älter. Eher unwahrscheinlich ist es, dass mitten im Dreißigjährigen Krieg größere Baumaßnahmen vorgenommen worden sind. Möglicherweise - so vermutet Pfarrer i. R. Klaus Mombrei - ist der gesamte Türsturz erst später aus einem anderen Gebäude eingebaut worden.

 

Schon 1565 wird die Giflitzer Kirche dem Kirchspieldorf Bergheim zugeordnet, das im Mittelalter ein Dekanat des Archidiakonates Fritzlar war, wo ein Erzpriester seinen Sitz hatte.

 

Wir wissen nicht, ob die Kirche im Dreißigjährigen Krieg teilweise zerstört worden ist. Jedenfalls müssen in der Mitte des 18. Jahrhunderts größere Bauarbeiten durchgeführt worden sein. Denn als die Kirche des Johanniter-Hospitals im Wildetal bei Nieder-Wildungen abgebrochen wurde, gelangten Steine von dort nach Giflitz. Dazu gehören die Grabplatten aus dem 16. Jahrhundert im Bodenbelag. Auf einer ist ein Herr von Hanxleden aus dem 16. Jahrhundert genannt, der Burgmanne in Altwildungen war.

 

Auch ohne mächtigen Turm wie in Bergheim, Königshagen oder Affoldern mag die Giflitzer Kirche früher für die Menschen in Kriegszeiten ein Zufluchtsort gewesen sein. Darauf deutet ein Bericht des Waldeckischen Geschichtsschreibers Varnhagen aus dem Jahr 1825: „Vor der Kirche stehet ein Stück Mauerrest (wie zu Bergheim auch), welches wie ein großes, oben zugespitztes Thor ist, darunter man auf den Kirchhof gehet.“ Wie in anderen Dörfern auch wurden die Toten früher an der Kirche beerdigt. Deshalb gebrauchen viele Menschen heute noch das Wort „Kirchhof“, wenn sie den Friedhof meinen. Von dem „neu angelegten Gottesacker“ ist erstmals in den Gemeinderatsprotokollen des Jahres 1856 die Rede.

 

Ihr heutiges Äußeres erhielt die Kirche durch eine Renovierung in den Jahren 1947 bis 1954. Dabei wurde der Putz von den Außenwänden entfernt und so die Bruchsteine wieder freigelegt. Der Dachreiter erhielt auf Kosten der politischen Gemeinde ein neues Schieferkleid. Die Wetterfahne mit Stern fertigten die örtlichen Schmiedemeister Karl Kuntzemann und Hans Schmeißer an.

 

Im Kircheninneren bewirken der durch einen Rundbogen abgeteilte Chor, die Empore und das alte Gestühl eine harmonische Atmosphäre. Die Empore stammt ebenso wie die hölzerne Kanzel aus dem 17. Jahrhundert. Früher saßen Frauen und Männer beim Gottesdienst getrennt. Die Empore war der Platz für die Männer. Das Gestühl mit seinen geschwungen profilierten Seitenwangen wird auf das 18. Jahrhundert datiert. In früheren Zeiten hatte jede Familie ihre namentlich gekennzeichnete Bank oder ihren „Stand“. Klaus Mombrei berichtet in der Festschrift zur 1200-Jahr-Feier vom Verkauf der Kirchenbänke – damals eine wichtige Einnahmequelle für die Kirche. Dazu ein Beispiel: Obermüller Stephan Höhle erwarb 1807 einen neuen „Kirchenstand“, der vorher im Besitz des Oberförsters Könyke gewesen war. In die Empore sind frühere Banklehnen eingebaut, auf denen die Namen derer genannt sind, die früher dort ihren Sitzplatz hatten, unter anderen „Wilhelm Höne Gräbe“ mit der Jahreszahl 1698. Der Grebe war das von der Obrigkeit eingesetzte Dorfoberhaupt.

 

Die alte Orgel stand in der Mitte des Chores über dem Altar. Die jetzige wurde 1903 von dem Orgelbauer Vogt in Korbach geschaffen und auf der Empore eingebaut. Die Kanzel wurde damals aus dem Chorbogen heraus an die 

Südwand des Kirchenschiffes verlegt und im Chorraum der Renaissance-Taufstein aufgestellt.

 

Eine besondere Kostbarkeit sind die vier an den Chorwänden angebrachten Figuren aus Lindenholz, die um 1950 bei Renovierungsarbeiten auf dem Kirchenboden entdeckt worden waren:

Maria und der Evangelist Johannes unter dem Kreuz, sowie vermutlich Maria Magdalena und die Heilige Ludmilla. Sie wurden ebenso wie der gekreuzigte Jesus auf dem Altar 2009 restauriert bzw. konserviert. Die geschnitzten Figuren entstammen einem Ende des 15. Jahrhunderts gefertigten Altar.

Dazu schreibt Dr. Max Beck in seiner 1959 erschienenen Chronik von Giflitz: Dass man die „ Holzplastiken wieder auffand (...), war ein Ereignis, dessen Wert und künstlerische Bedeutung man vielleicht einstweilen noch gar nicht recht zu schätzen weiß. Der schlichte Charakter der vier Plastiken, die edle Gestaltung der Figuren und ihre vornehme Farbgebung lassen ahnen, dass hier einmal ein wirklicher Künstler am Werke war.“

Während der Renovierung von 1992 bis 1994 wurden im gesamten Kirchenraum Wandmalereien entdeckt. Sie zeigen Szenen aus dem Neuen Testament. Klaus Mombrei berichtet, dass bei den Arbeiten insbesondere Kreuzung und Auferstehung Jesu zu erkennen waren. Hinter der Orgel ist die Verurteilung durch Pontius Pilatus und die Geißelung dauerhaft freigelegt. Der damalige Bezirkskonservator Prof. Dr. Michael Neumann datierte die Malerei auf das Ende des 15. Jahrhunderts. Demnach muss die Giflitzer Kirche älter sein als bis dahin angenommen. Zum einen war natürlich eine eventuelle Freilegung und Restaurierung der historischen Wandbemalung eine Kostenfrage, zum anderen ist leider ihr Erhaltungszustand bei weitem nicht so gut wie in der Bergheimer Kirche.

 

Text und Bilder: Wolfgang Lübcke

 

 

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